„Heute stehen Sie, Herr Reinhardt, als Zeitzeuge und Holocaustüberlebender Sinti, im Mittelpunkt dieser Feierstunde. Bis ins hohe Alter setzen Sie sich für Integration, Aufarbeitung der Geschichte des Holocaust und solidarisches Handeln ein. Es ist mir eine Ehre, Ihr Lebenswerk in diesem Rahmen zu würdigen“, so ADD-Präsident Linnertz anlässlich der Ordensübergabe.
Wilhelm Reinhardt aus Trier wurde kurz vor Kriegsbeginn als Sohn eines Sinto und einer Jüdin geboren und musste bereits in seiner frühesten Kindheit Hass und Verfolgung erleben. Die unmenschliche Rasseideologie der Nationalsozialisten führte dazu, dass seine Familie auseinandergerissen wurde, Mitglieder ermordet und er selbst nur dadurch gerettet wurde, dass die Mutter schweren Herzens ihn und seine zwei Brüder getarnt in einem christlichen Kinderheim unterbringen konnte. „Sehr geehrter Herr Reinhardt, die zutiefst bewegende Geschichte Ihrer Vergangenheit, die mit unermesslichem
Leid erfüllt war, hat Sie angetrieben, vielen Menschen Ihre Lebensgeschichte zu vermitteln, um so an die Schrecken der Verfolgung und der Unterdrückung von Sinti und Roma zu erinnern. Diese Erinnerung dient als Mahnung, dass sich diese Geschichte nicht erneut wiederholen darf“, betonte der ADD-Präsident in seiner Laudatio.
Der 86jährige begann in den 1980er Jahren sich im Landesverband Deutscher Sinti und Roma Rheinland-Pfalz im Ältestenrat zu engagierten. Zudem ist er bis heute ehrenamtliches Mitglied im Landesrat Deutscher Sinti und Roma. Durch sein Engagement in der Erinnerungskultur, Integration, Einbindung in die Gesellschaft und erzählter, erlebter Geschichte kämpft er für ein zukunftsgerichtetes, von Vorurteilen befreites Miteinander.
Der Völkermord an den Sinti und Roma wurde nach dem Krieg ignoriert und verleugnet. Die Überlebenden wurden gesellschaftlich an den Rand gedrängt. Zum Gedenken und gegen das Vergessen wurde im Jahr 2012 in der Trierer Altstadt ein Mahnmal für die während des Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Sinti und Roma errichtet. Das Mahnmal gilt als Zeichen des Willens, den nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma in die Erinnerungskultur einzubeziehen. Die Initiative erfolgte lang vor 2012 durch den Landesverband Deutscher Sinti und Roma Rheinland-Pfalz und ist somit auch das Ergebnis Ihres jahrelangen Engagements und Einsatzes.
„Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen heute als Anerkennung Ihrer Lebensleistung, gleichsam als Dank der Gesellschaft, namens des Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer, die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz zu überreichen“, so Linnertz.