Projekt Lehrergesundheit

Das Projekt Lehrergesundheit wurde im Jahre 2001 vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend Rheinland-Pfalz an der ADD in Trier eingerichtet und soll:

  • Die Entwicklung und Häufung von vorübergehend verminderter Dienstfähigkeit und vor allem von Ruhestandsversetzungen wegen Dienstunfähigkeit beobachten, darstellen, analysieren und nach Ursachen untersuchen.
  • Präventive Maßnahmen zur Erkennung und Vorbeugung drohender Dienstunfähigkeit sowie individuelle ärztliche, psychologische und psychotherapeutische - aber auch praktische pädagogische - Hilfen entwickeln und umsetzen und die Attraktivität des aktiven Dienstes erhöhen.
  • Schulbehörden in diesen Fragen allgemein, aber auch bei Entscheidungen in Einzelfällen im Kontakt mit den Betroffenen und mit den Amtsärzten beraten.
  • Mit dem Pädagogischen Landesinstitut des Landes Rheinland-Pfalz (PL) zusammenarbeiten und bei entsprechenden Fortbildungsmaßnahmen mitarbeiten.
    Dort besteht auch eine Projektgruppe "Berufszufriedenheit und Gesundheit" im Lehrberuf.
  • Seit Januar 2011 erfüllt das Institut für Lehrergesundheit (IfL) in Mainz die gesetzlichen Aufgaben der arbeitsmedizinischen und sicherheitstechnischen Betreuung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im staatlichen Schuldienst in Rheinland-Pfalz.

Das IfL und das Projekt Lehrergesundheit sind enge Kooperationspartner.

Ziele des Projekts

  • Förderung, der Erhalt und nach Möglichkeit die Wiederherstellung von Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit von Lehrkräften und Schulleitungen 

  • Stärkung der individuellen Ressourcen und Unterstützung der persönlichen Weiterentwicklung, Forderung und Förderung individueller, bildungspolitischer und innerschulischer Prävention, Beratung und Unterstützung bei drohender Dienstunfähigkeit

Projektgruppenmitglieder

  • Dr. Elisabeth Gläßer
    (Diplompsychologin, Psychologische Psychotherapeutin,  Lehrerin für Deutsch und Musik).

    Sie war von 1997 bis 2003 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Gesundheitspsychologie der Uni Trier und  führte Präventionsprojekte für Schüler durch. Sie ist Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie). Seit dem 15.09.2004 ist sie an der ADD in Trier für das Projekt Lehrergesundheit verantwortlich. 

  • Die bisherigen Projektgruppen- mitglieder, Helmut Heyse und Margit Vedder, haben ihren Dienst am 31.7.2004 beendet. Herr Heyse richtete die umfangreichen Webseiten des Projektes Lehrergesundheit ein und pflegte sie bis 2005. Herr Zachris hat im November 2006 seinen Dienst im PLG beendet.

  • Frau C. Leuk-Saile war vom Dezember 2006 bis November 2008 im Projekt Lehrergesundheit tätig.

Konzept

Das Konzept wird im Verlauf des Projektes Lehrergesundheit weiterentwickelt. Zurzeit  unterscheidet das Konzept der Lehrergesundheit:

1. Arbeitspsychologische Kategorien:

  • Anforderungen
    beschreiben die in einem Beruf auszuführenden Aufgaben und Tätigkeiten, Merkmale des Arbeitsplatzes sowie für eine erfolgreiche und zufriedenstellende Berufsausübung notwendige Personmerkmale. Für den Lehrberuf können die Anforderungen aus dem Bildungs- und Erziehungsauftrag (Schulgesetz), aus Lehrplänen, rechtlichen Vorgaben u.a. abgeleitet werden. Auch die KMK-Vereinbarung vom 5.Okt. 2000: „Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern heute – Fachleute für das Lernen“ ist hier zu nennen.

  • Belastungen
    beeinträchtigen, erschweren oder behindern die Erfüllung des beruflichen Auftrages, z. B. durch ungünstige materielle, soziale oder organisatorische Arbeitsbedingungen (siehe Literatur, z. B. Oestereicher und Volpert (1999)). Belastungen können durch allgemeine Rahmenvorgaben für die Schule entstehen, wie z. B. Klassengröße, Unterrichtsverpflichtung und Schulorganisation. Es kann sich aber auch um die Arbeitssituation handeln, die an einer bestimmten Schule besteht, z. B. durch die dort anwesenden Personen (Lehrkräfte, Schüler, Eltern usw.), ihre persönlichen Kompetenzen und ihre Beziehungen zueinander. Auch bauliche Gegebenheiten sind zu berücksichtigen.

  • Psychische Beanspruchung
    Personen unterscheiden sich in der Art, wie sie Anforderungen und Belastungen erleben und damit umgehen. In Anlehnung an die arbeitspsychologische Tradition wird zwischen den objektiv erfassbaren Belastungen einerseits und der psychischen Beanspruchung andererseits unterschieden (siehe auch EN-ISO 10075-1 2000 "Ergonomische Grundlagen bzgl. psychischer Arbeitsbelastung". Beuth-Verlag, Berlin).

    Mit psychischer Beanspruchung sind die unmittelbaren Wirkungen der psychischen Belastungen auf den einzelnen Menschen gemeint. Aber auch Anforderungen können zu psychischer Beanspruchung führen.

    Ob jemand Belastungen oder Anforderungen als psychische Beanspruchung erlebt, hängt von einer Vielzahl von Variablen ab. Hierzu gehören z.B. fachliche, soziale und persönliche Kompetenzen (vgl. auch das transaktionale Modell von LAZARUS (z. B. bei Rudow (1994). Die Arbeit des Lehrers. Bern: Huber-Verlag)).

2. Ansatzpunkte für gesundheitsfördernde Maßnahmen

Bemühungen um den Erhalt und die Förderung von Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit von Lehrkräften und Schulleitungen können an drei Punkten ansetzen:

  • am Verhalten der Lehrkräfte, an den Verhältnissen in der einzelnen Schule und an den Rahmenbedingungen des Schulsystems

  • an der psychischen Beanspruchung einzelner Personen ansetzen (Verhaltensmanagement) Verhaltensmanagement bedeutet, eigene Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu üben, zu entwickeln oder zu erwerben, um Anforderungen gerecht werden zu können oder Belastungen zu bewältigen und so die psychische Beanspruchung zu reduzieren

  • an den Arbeitsbedingungen in der einzelnen Schule ansetzen (Verhältnismanagement)
    Verhältnismanagement ist das Bemühen, die Verhältnisse, unter denen eine Person leben und/oder arbeiten muss, in Bezug auf Aufgabenerfüllung und Arbeitszufriedenheit optimal zu gestalten und Belastungen zu reduzieren oder wenn möglich zu beseitigen

  • an den Rahmenbedingungen des Schulsystems ansetzen (Verhältnismanagement)

Dies kann auf der innerschulischen Ebene und auf der systembezogenen Ebene realisiert werden.

Das Projekt Lehrergesundheit will Anregungen und Hilfen für beide Ansatzpunkte geben.

3. Zielrichtungen von gesundheitsfördernden Maßnahmen: 

Unabhängig davon, ob es sich um Verhältnismanagement oder Verhaltensmanagement handelt, können Maßnahmen unterschiedliche Zielrichtungen verfolgen. 

  • Intervention
    zur Wiederherstellung von Gesundheit und Dienstfähigkeit beitragen

  • Prävention
    individuelle und institutionelle Risikofaktoren beseitigen oder reduzieren helfen

  • Salutogenese
    darauf ausgerichtet sein, Kräfte und Kompetenzen zum Erhalt von Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu aktivieren und zu stärken

Das Projekt Lehrergesundheit setzt seinen Schwerpunkt auf die Stärkung der Kompetenzen und auf die Prävention.

Interventive Maßnahmen können nur in einzelnen Fällen erfolgen. Allerdings sollen Vorschläge entwickelt werden, wie gesundheitlich beeinträchtigte Lehrkräfte alternativ zum Unterricht eingesetzt werden können.

4. Lehrergesundheit zwischen SOLLEN, WOLLEN und KÖNNEN

Es wird ein Modell vorgestellt, das die konzeptionellen Ansätze des Projektes Lehrergesundheit zusammenführt und deutlich macht, warum Menschen von objektiv gleichen Belastungen subjektiv sehr unterschiedlich beansprucht sein können. Es dient darüber hinaus der Strukturierung des Feldes "Lehrergesundheit" und hilft, Ansatzpunkte für Maßnahmen auf individueller, kollegialer und schuladministrativer/bildungspolitischer Ebene aufzuspüren, die geeignet sind, Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit von Lehrkräften und Schulleitungen zu erhalten und zu fördern.

  • SOLLEN
    beinhaltet den beruflichen Auftrag mit seinen Anforderungen, Belastungen und Arbeitsbedingungen

  • WOLLEN
    umfasst persönliche Zielsetzungen, Erwartungen an die Selbstwirksamkeit, Ansprüche an sich selbst und andere

  • KÖNNEN
    meint fachliche, soziale und persönliche Kompetenzen, Leitungsfähigkeit, Ressourcen sowie das unter den jeweiligen Umständen Erreichbare bzw. Bewirkbare.

Für eine langfristig stabile psychische und physische Gesundheit sollte das Verhältnis von SOLLEN, WOLLEN und KÖNNEN ausgeglichen sein. Bei gravierenden, andauernden Ungleichgewichten kann es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen.

Kontakt

Dr. Elisabeth Gläßer
Tel: +49(651) 9494-600/
Fax:+49(651)9494-77600
Zimmer: 125 Kurfürstliches Palais
Elisabeth.Glaesser(at)add.rlp.de