Informationen für Interessentinnen und Interessenten um schulische Funktionsstellen

Sie beabsichtigen, sich um eine schulische Funktionsstelle zu bewerben, um auf diese Weise dauerhaft über die Lehrertätigkeit hinaus für die schulische Entwicklung Mitverantwortung zu übernehmen. Das ist eine Entscheidung, die sicherlich auf reiflicher Reflexion beruht und für die unter anderem auch die Frage bedeutsam ist, auf welche Verfahren der Auswahl und Überprüfung man sich damit einlässt.

Wir hoffen mit den nachfolgenden Informationen Transparenz über das Verfahren – und dessen Notwendigkeit – herzustellen. Wenn sich einzelne Rahmenbedingungen für die Funktionsstellenverfahren ändern, wird auch diese Information jeweils entsprechend aktualisiert.

Wir würden es begrüßen, wenn Sie durch diese Informationen in Ihrer Motivation gestärkt werden und möchten Sie ausdrücklich zu einer Bewerbung ermuntern.

Bewerberinnen und Bewerber stellen häufig die folgenden Fragen:

  • Welche Aufgaben hat man zu erledigen?
  • Welche Erwartungen, Anforderungen und Kompetenzen werden an die Übernahme einer solchen Stelle geknüpft?
  • Welche Maßstäbe hat die Behörde?
  • Wie läuft das ganze Verfahren eigentlich ab?

Die Entscheidung für eine Bewerbung kann leichter fallen, wenn man in dem einen oder anderen pädagogischen, innerschulischen und außerschulischen Bereich Erfahrungen gesammelt hat, insbesondere auch in der Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen. Beispielhaft seien hier angeführt: Fortbildung, Mitwirkung bei der Referendarausbildung, Fachkonferenzleitung, Beteiligung an besonderen schulischen und unterrichtlichen Projekten, Mitwirkung an einem Schulversuch, der Lehrplanentwicklung, Mitwirkung bei Fort- und Weiterbildung, Mitwirkung bei der Qualitätsentwicklung u.a. Jede besondere Funktion im schulischen Bereich lässt Ihr Engagement über die reine Lehrertätigkeit hinaus erkennen. 

Die Bedeutung solcher Tätigkeiten liegt nicht in der Quantität, sondern in den exemplarischen Erfahrungen mit Koordinations- und Führungsfunktionen. Besonders hilfreich kann auch die Teilnahme an Vorbereitungskursen für Schulleitungsaufgaben sein. Wichtig ist die Freude an der Gestaltung der Zusammenarbeit innerhalb des Kollegiums, aber auch die Bereitschaft, sich in besonderem Maße mit den vielfältigen Herausforderungen des Schulleitungshandelns auseinanderzusetzen.

Die folgenden Darlegungen sollen Sie über die wichtigsten Abläufe eines solchen Auswahlverfahrens informieren. Diese Informationen wollen Transparenz schaffen, die Motivation für das angestrebte Amt erhöhen sowie Orientierung und Hilfe bieten.

Nach wie vor sind Frauen in Führungsfunktionen unterrepräsentiert. Wir begrüßen es, wenn sich insbesondere Frauen verstärkt um Funktionsstellen bewerben. Hier wird besonders auf das regelmäßige Fortbildungsangebot für Frauen („Lust auf Führung“) als auch auf die allgemeinen Vorbereitungskurse für Schulleitungsaufgaben am Pädagogischen Landesinstitut, Zentrum für Schulleitung und Personalführung ( ZfS), verwiesen.

Veröffentlichung von Funktionsstellen

Die schulischen Funktionsstellen werden im Amtsblatt des fachlich zuständigen Ministeriums ausgeschrieben. Diese können auch im Internet unter der Homepage des fachlich zuständigen Ministeriums eingesehen werden.

Im Vorspann werden allgemeine wichtige Informationen gegeben, z.B. dass in der Regel eine Funktionsstelle auch in Teilzeitform angestrebt werden kann. Es empfiehlt sich, vor Abgabe einer Bewerbung ein Gespräch mit der zuständigen Schulfachreferentin / dem zuständigen Schulfachreferenten zu führen, um sich über allgemeine Fragen des Verfahrens und über die Anforderungen der angestrebten Stelle zu informieren. Die allgemeinen Stellen- und Anforderungsprofile für Funktionsstellen im Bereich Schulen wurden in den Amtsblättern Nr. 1/2005, 5/2006 und 3/2009 veröffentlicht und sind auch unter der o.g. Homepage des Ministeriums zu finden.

Bei der aktuellen Stellenausschreibung, für die Sie sich interessieren, ist im jeweiligen Amtsblatt angemerkt, ob zu dieser Stellenausschreibung ein ergänzendes Stellen- und Anforderungsprofil vorliegt, das dann bei der Schule und auch bei der Schulaufsicht erhältlich bzw. in der elektronischen Fassung des Amtsblattes auf der Website des fachlich zuständigen Ministeriums einsehbar ist.

Auswahlverfahren

Die Auswahlentscheidung erfolgt verfassungsrechtlich unter Beachtung des beamtenrechtlich normierten Grundsatzes der Bestenauslese nach  Art. 33IIGG ;§ 9 BeamtStG  und §2 I LbVO. Danach sind die Kriterien der Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung zu Grunde zu legen.

Grundlage für die Auswahlentscheidung ist zunächst die aktuelle Dienstliche Beurteilung, die zum Zeitpunkt der Auswahlentscheidung des Präsidenten, der Ministerin bzw. der Ministerpräsidentin nicht älter als zwei Jahre sein darf. Kann die Einhaltung der Zweijahresfrist nicht sichergestellt werden, muss der zuständige Referent oder die zuständige Referentin der ADD eine neue Dienstliche Beurteilung anfordern. Liegt eine statusrechtliche Veränderung (z.B. Beförderung) vor, muss auch innerhalb der 2-Jahresfrist eine neue Beurteilung erstellt werden. Nach ständiger Rechtsprechung kann diese in ihrer Gewichtung aber zurücktreten, wenn der zu vergebende Dienstposten spezielle Eignungsanforderungen stellt (Stellenanfor-derungsprofil), die durch den Inhalt der Beurteilung nicht umfassend abgedeckt sind. 

Dies ist bei Funktionsstellen im Schulbereich der Fall. Deshalb werden die Bewerberinnen und Bewerber einer funktionsbezogenen Überprüfung unterzogen. Diese geht über den Inhalt der Dienstlichen Beurteilung hinaus und hat zum Ziel, die Eignung der Bewerberinnen und Bewerber für das jeweils zu besetzende konkrete Amt festzustellen. Es handelt sich hierbei nicht um ein „drittes Staatsexamen”, bei dem umfängliche Theoriekenntnisse abgeprüft werden, sondern – auf das Schulleben bezogen – um die Feststellung der Eignung für die angestrebte Stelle.

Das schulfachliche Überprüfungsverfahren wird eingeleitet durch das Eröffnungsgespräch, zu dem alle Bewerberinnen und Bewerber für die betreffende Stelle, die Schulleiterin / der Schulleiter der aufnehmenden Schule sowie die zu beteiligenden Gremienvertreter eingeladen werden.

Die funktionsbezogene Überprüfung setzt sich aus mehreren unterschiedlichen Bestandteilen zusammen:

Bei Stellen von Schulleiterinnen und Schulleitern sowie deren ständiger Vertretung besteht die funktionsbezogene Überprüfung aus drei Teilen.

Dies sind in der Regel:

  1. Beratungsgespräch nach Unterrichtsmitschau
  2. Durchführung einer Dienstbesprechung / Konferenz  mit einem pädagogischen Thema 
  3. Kolloquium

Gleiches gilt für die Positionen der Didaktischen Koordination sowie der Studiendirektorin / des Studiendirektors zur Koordination schulfachlicher Aufgaben an Integrierten Gesamtschulen, sofern zumindest eine / einer der Bewerberinnen / der Bewerber nicht über die Lehrbefähigung an Gymnasien oder Berufsbildenden Schulen verfügt (Grund: eine Funk-tionsstelleninhaberin / ein Funktionsstelleninhaber in der Besoldungsgruppe A15 an einer IGS mit z.B. Lehrbefähigung Realschule könnte durch eine Versetzungsbewerbung Schulleiterin / Schulleiter an einer Realschule plus werden).

Bei allen übrigen Stellen sind zwei Prüfungsteile durchzuführen.

Dies sind in der Regel:

  1. Durchführung einer Dienstbesprechung / Konferenz mit einem pädagogischen Thema 
  2. Kolloquium

In begründeten Ausnahmefällen können Änderungen in den Überprüfungsteilen vorgenommen werden.

In der Regel ist ein aktueller Unterrichtsbesuch nicht erforderlich, da die pädagogisch-unterrichtliche Kompetenz durch die Dienstliche Beurteilung festgestellt ist.

Allgemeine Hinweise

Unterrichtsmitschau mit anschließender Beratung durch die Bewerberin / den Bewerber
Bei der Beratung ist von Bedeutung, inwieweit Sie eine Stunde angemessen einschätzen und ein konstruktives Beratungsgespräch führen können.

Durchführung einer Dienstbesprechung/Konferenz zu einem pädagogischen Thema
Bei der Dienstbesprechung/Konferenz sollen Sie eine Tagesordnung mit einem pädagogischen Schwerpunkt vorbereiten und die Leitung übernehmen. Eine angemessene Beteiligung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Moderation, die Strukturierung und die Ergebnissicherung stehen im Vordergrund.

Kolloquium
Das Kolloquium orientiert sich vor allem am Stellenprofil. In der Regel werden neben Ihrer Motivation für die Bewerbung auch aktuelle pädagogische und schulpolitische Entwicklungen der betroffenen Schulart angesprochen. Außerdem beinhaltet es Fragen der Unterrichts-, Personal- und Organisationsentwicklung, sowie Ihre Vorstellungen über Möglichkeiten der Qualitätssicherung und -entwicklung.

Fragestellungen aus den Verfahrensteilen „Unterrichtsmitschau mit anschließender Beratung“ und „Leitung einer Dienstbesprechung/Konferenz“ können  anschließend im Gespräch vertieft werden.

Einbeziehung von Ergebnissen aus früheren Bewerbungsverfahren in das Auswahlverfahren
Sofern sich eine Lehrkraft um mehrere Stellen bewirbt, sei es in zeitlicher Parallelität oder nacheinander, gilt die Regel, dass für eine Dauer von bis zu zwei Jahren auf die letzte Dienstliche Beurteilung und bestimmte Elemente des Überprüfungsverfahrens zurückgegriffen werden kann. Es ist Ihnen allerdings freigestellt, einzelne Teile oder das ganze Überprüfungsverfahren zu wiederholen. Ein erneutes oder ergänzendes Kolloquium ist im Hinblick auf das konkrete Stellenprofil immer erforderlich. Unter Beachtung der unterschiedlichen Stellenprofile kann es durchaus auch zu unterschiedlichen Eignungsfeststellungen kommen.

Beteiligte Gremien am Bewerbungsverfahren

Mit allen Besetzungsverfahren für Funktionsstellen sind Beteiligungs-Benehmensherstellungs- oder Mitbestimmungsrechte verbunden und zwar für

  • Personalräte,
  • Gleichstellungsbeauftragte,
  • Schwerbehindertenvertretung,
  • Schulträger und Schulausschuss und
  • Schulleiterin / Schulleiter der Zielschule

Von der Personalratsbeteiligung ausgenommen sind nach § 81 Landespersonalvertretungsgesetz die Stellen der Schulleiterinnen / Schulleiter und die der Ständigen Vertreterinnen / Vertreter. 

Der zur Besetzung der Funktionsstelle vorgeschlagene Bewerber bzw. die zur Besetzung der Funktionsstelle vorgeschlagene Bewerberin hat nach der vorgenannten Vorschrift jedoch die Möglichkeit, die Mitbestimmung der Personalvertretung zu beantragen. Dies müsste ggfls. mit der Bewerbung bzw. im Eröffnungsgespräch erfolgen.

Die Gleichstellungsbeauftragte für den Schulbereich wirkt bei allen Stellenbesetzungsverfahren mit. Sie wird von der Dienststelle über das Überprüfungsverfahren informiert und entscheidet in eigener Zuständigkeit über ihre Teilnahme an den einzelnen funktionsbezogenen Überprüfungen. Unabhängig von ihrer persönlichen Teilnahme ist die jeweils zuständige Gleichstellungsbeauftragte am Auswahlverfahren beteiligt und kann eine Stellungnahme zum Besetzungsvorschlag abgeben.

Ist eine schwerbehinderte Lehrkraft im Verfahren beteiligt, ist die Schwerbehindertenvertretung zu den Überprüfungsverfahren aller Mitbewerberinnen und Mitbewerber einzuladen.

Für Schulleiterstellen ist außerdem eine „qualifizierte Benehmensherstellung” mit dem Schulausschuss und dem Schulträger vorzunehmen; diese Gremien laden in der Regel die Bewerberinnen und Bewerber zu einem Gespräch ein.

Die Leiterin / der Leiter (bei Abwesenheit deren Vertreterin / dessen Vertreter) der Schule, an welcher die Stelle zu besetzen ist, kann an allen Überprüfungselementen teilnehmen, soweit besondere Gründe dem nicht entgegenstehen. Das Ergebnis der funktionsbezogenen Überprüfung und die vorgesehene Personalentscheidung werden mit ihr / ihm erörtert; das Er-gebnis wird protokolliert. 

Rücktritt von der Bewerbung

Sie können zu jedem Zeitpunkt des Verfahrens aus persönlichen Gründen von Ihrer Bewerbung zurücktreten. Dies hat keine Auswirkungen auf Ihre zukünftigen Bewerbungen und deren Erfolgsaussichten.

Auswahlentscheidung und Beförderung

Im Anschluss an das Überprüfungsverfahren erstellt das zuständige Schulaufsichtsreferat für jede Bewerberin / jeden Bewerber ein schulfachliches Gutachten, das eine Gesamteignung für die zu besetzende Stelle feststellt und nach einer vergleichenden Bewertung in einen Besetzungsvorschlag mündet. Über diesen entscheidet je nach Zuständigkeit die Präsidentin bzw. der Präsident der ADD, die Ministerin bzw. der Minister oder die Ministerpräsidentin bzw. der Ministerpräsident.

Alle Bewerberinnen und Bewerber werden über das Ergebnis des Auswahlverfahrens informiert. Nach einer dreiwöchigen Frist wird die vorgesehene Bewerberin / der vorgesehene Bewerber kommissarisch ernannt. Eine Beförderung, sofern diese mit der neuen Stelle verbunden ist, erfolgt nach einer erfolgreichen Erprobungszeit (zurzeit ein Jahr). Voraussetzung für die Beförderung ist die Feststellung der Schulbehörde, dass sie sich in der neuen Funktion bewährt haben.

Personalgespräche mit den Bewerberinnen und Bewerbern

Falls Sie für die angestrebte Stelle nicht ausgewählt wurden, wird Ihnen das Angebot gemacht, über die Überprüfungsergebnisse und künftigen Perspektiven mit der zuständigen Referentin / dem zuständigen Referenten ein Gespräch zu führen. Ziele des Gespräches sind die Herstellung von Transparenz sowie die Beratung im Hinblick auf weitere berufliche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie beim 

Ministerium für Bildung.