Pflanzenschutzmittel

Ziel des Pflanzenschutzgesetzes ist es, Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse vor Schadorganismen zu schützen und Gefahren abzuwenden, die durch die Anwendung von oder den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln für die Gesundheit von Mensch, Tier und für den Naturhaushalt entstehen können.

Deshalb dürfen Pflanzenschutzmittel nur nach guter fachlicher Praxis und nur so angewandt werden, dass keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder auf den Naturhaushalt zu befürchten sind. Die Grundsätze des Integrierten Pflanzenschutzes sind dabei zu berücksichtigen.

Die Überwachung des Fachrechts bei der Anwendung von und beim Handel mit Pflanzenschutzmitteln richtet sich nach dem Pflanzenschutz-Kontrollprogramm. Die Ergebnisse der bundesweit nach diesem Programm durchgeführten Kontrollen werden im Jahresbericht dargestellt.

Abgabe von Pflanzenschutzmitteln

Wer Pflanzenschutzmittel im Einzel-, Groß- oder Versandhandel in Verkehr bringen will, muss dies gemäß § 24 a PflSchG der zuständigen Behörde (= Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion) vor Aufnahme der Tätigkeit anzeigen. 

Zulassung und Genehmigung

Pflanzenschutzmittel dürfen nur eingeführt, in Verkehr gebracht und eingesetzt werden, wenn sie zugelassen sind. 

Zulassungsbehörde ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Sie dürfen nur in den Kulturen und nur gegen die Schaderreger eingesetzt werden, die in der Zulassung oder Genehmigung (siehe auch unter „Pflanzenschutzrechtliche Genehmigungen) ausdrücklich genannt sind. Die Anwendung eines Pflanzenschutzmittels in einer anderen als der zugelassenen Kultur und gegen andere als die im Zulassungstext genannten Schädlinge oder Krankheiten einzusetzen, ist verboten.Nach Ablauf der Zulassung dürfen die beim Verbraucher vorhandenen Pflanzenschutzmittel innerhalb von 2 Jahren aufgebraucht werden – sofern kein Verbot vorliegt.

Bei Erkenntnissen, die eine Gefährdung aufzeigen, kann eine bestehende Zulassung jederzeit widerrufen bzw. ein Anwendungsverbot erlassen werden.

Im Haus- und Kleingartenbereich dürfen grundsätzlich nur Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die mit der Angabe "Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich zulässig" gekennzeichnet sind.

Über den aktuellen Stand der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, Pflanzenstärkungsmitteln (PStM)und Zusatzstoffen, sowie den bescheinigten Parallelimporten können Sie sich auf den Internetseiten des BVL monatlich aktualisiert informieren.

Sachkundenachweis

Personen, die

  • Pflanzenschutzmittel beruflich anwenden
  • zum Pflanzenschutz beraten
  • andere nichtsachkundige Personen anleiten oder beaufsichtigen
  • Pflanzenschutzmittel in Verkehr bringen - auch über Internet

müssen über einen von der zuständigen Behörde (in Rheinland-Pfalz die Dienstleistungszentren ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück und Rheinpfalz) ausgestellten Sachkundenachweis verfügen. Als Nachweis darf ab dem 26. November 2015 nur noch der neue einheitliche Sachkundenachweis im Scheckkartenformat akzeptiert werden.  Der Sachkundenachweis berechtigt zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Beratung zum Pflanzenschutz oder zur Abgabe von Pflanzenschutzmitteln oder zur Kombination von Anwendung/Beratung und Abgabe. Der Nachweis ist in Verbindung mit dem Personalausweis gültig. Auch der Handel darf ab diesem Datum Pflanzenschutzmittel, die ausschließlich für berufliche Anwender zugelassen sind, nur gegen Vorlage des neuen Sachkundenachweises abgeben.

Als Qualifikation für die Sachkunde anerkannt wird ein Zeugnis einer abgeschlossenen Berufsausbildung in einem anerkannten Beruf oder ein Zeugnis einer anderen abgeschlossenen Berufsausbildung oder eines abgeschlossenen Studiums mit einer Bescheinigung, dass vorgeschriebene Inhalte zum Pflanzenschutz Gegenstand der Ausbildung und Prüfung waren oder ein Zeugnis einer erfolgreich abgelegten Sachkundeprüfung. Zu den anerkannten Berufsabschlüssen zählen u. a. LandwirtIn, ForstwirtIn, GärtnerIn, WinzerIn, Geprüfte/r SchädlingsbekämpferIn oder Pflanzentechnologe/ PflanzentechnologIn.

Alle Sachkundigen sind darüber hinaus verpflichtet, jeweils innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren an einer anerkannten Fortbildungsmaßnahme teilzunehmen.

Weitere Infos zum Thema

Dienstleistungszentrum ländlicher Raum - Sachkunde in Rheinland-Pfalz

Kontrolle der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vor, während oder nach der Anwendung bzw. Betriebskontrollen

Die Überwachung erstreckt sich von Kontrollen vor, während und nach der Anwendung von PSM bis zu Betriebskontrollen und Kontrollen auf nicht landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen. Besonders Überschreitungen von Rückstandshöchstgehalten und die Anwendungen von nicht zugelassenen Pflanzenschutzmitteln müssen geahndet werden, damit die menschliche Gesundheit und die Umwelt auf einem hohen Niveau geschützt werden.

Bei den Kontrollen wird beispielsweise überprüft:

  • Sachkunde des Anwenders
  • Dokumentation der Pflanzenschutzmittelanwendungen für alle landwirtschaftlichen, gärtnerischen und forstwirtschaftlichen Betriebe, unabhängig von der Betriebsgröße
  • Zulassung bzw. Genehmigung der verwendeten Pflanzenschutzmittel
  • Einhaltung der Anwendungsverbote und – beschränkungen, der zugelassenen bzw. genehmigten Anwendungsgebiete und der erteilten Anwendungsbestimmungen und Auflagen.
  • Einhaltung der Bienenschutzbestimmungen
  • Prüfung der im Gebrauch befindlichen Pflanzenschutzgeräte (gültige Prüfplakette)
  • Ort der Gerätereinigung und sachgerechte Reinigung von Pflanzenschutzgeräten
  • Abstandsauflagen bei Pflanzenschutzmitteln
  • Einhaltung des Anwendungsverbots auf nicht landwirtschaftlich, gärtnerisch oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen z. B. auf der Hof- und Betriebsfläche
  • Einhaltung der Grundsätze der guten fachlichen Praxis im Pflanzenschutz, Näheres siehe in der Broschüre „Gute fachliche Praxis“ , einzusehen auf der Internetseite des BMEL
  • Falls Pflanzenschutzmittel für andere eingesetzt werden, Einhaltung der Anzeigepflicht nach § 10 Pflanzenschutzgesetz
    speziell im Haus- und Kleingartenbereich:
    - Sind die verwendeten  Pflanzenschutzmittel für nicht berufliche Anwender zugelassen?
    - Einhaltung des Anwendungsverbots auf nicht landwirtschaftlich, gärtnerisch oder
      forstwirtschaftlich genutzten Flächen

Zur Überprüfung der Einhaltung der Regelungen des Pflanzenschutzgesetzes können auch Proben von Spritzbrühe und/oder Boden und/oder Pflanzen bzw. Pflanzenteilen untersucht werden.