Universitätsstudium

Seit dem Wintersemester 1996/97 können qualifizierte Berufstätige ohne Abitur eine fachbezogene Berechtigung zum Studium an einer Universität des Landes Rheinland-Pfalz erwerben. Ziel dieser Regelung ist es, besonders befähigten Berufstätigen die Weiterqualifizierung durch ein Universitätsstudium zu ermöglichen.

Verständlicherweise verfügen Berufstätige ohne Abitur in der Regel nicht über die gleichen Vorkenntnisse wie Abiturienten. Andererseits ist davon auszugehen, dass sie aufgrund ihrer qualifizierten Berufsausbildung und mehrjährigen Berufspraxis praktische Erfahrungen und Kenntnisse erworben haben, die für ein Studium der Fachrichtung, die ihrem Beruf entspricht, durchaus die Voraussetzung schaffen können. Daraus ergibt sich, dass für befähigte Berufstätige ohne Abitur nicht jedes Studienfach in Frage kommt. Sie können nur ein Studienfach wählen, das enge und ausreichende inhaltliche Bezüge zu ihrer Berufsausbildung und ihrem ausgeübten Beruf hat. Deshalb können sie keine allgemeine, sondern nur eine fachbezogene Studienberechtigung erlangen, d. h. die Studienberechtigung für ein bestimmtes Fach.

Grundsätzlich ausgeschlossen ist derzeit die Zulassung zu folgenden Studiengängen:

  • Studiengänge, die mit einer kirchlichen Prüfung abschließen,
  • Diplom-, Magister- und Lehramtsstudiengänge in katholischer Theologie.

Voraussetzungen

  1. Nachweis einer qualifizierten Berufsausbildung
    Das bedeutet, dass in der Berufsausbildung ein Notendurchschnitt von 2,5 oder besser erreicht sein muss. (Bei einer Berufsausbildung nach dem Berufsausbildungsgesetz oder der Handwerksordnung ist der Gesamtnotendurchschnitt aus den Noten der Berufsausbildungsabschlussprüfung und dem Abschlusszeugnis der Berufsschule maßgebend.)

    Für Bewerberinnen und Bewerber, die die Meisterprüfung oder eine vergleichbare Prüfung abgelegt haben, entfällt diese Voraussetzung.

  2. Eine mindestens dreijährige Berufstätigkeit
    Die Berufstätigkeit muss der Ausbildung entsprechen, muss aber nicht auf Erwerb ausgerichtet sein. In bestimmten Fällen können auch ver-gleichbare Tätigkeiten anstelle der Berufstätigkeit anerkannt werden.

Wie kann man die fachbezogene Studienberechtigung erlangen?

Qualifizierte Berufstätige ohne Abitur können eine fachbezogene Studienbe-rechtigung auf zwei verschiedenen Wegen erlangen:

  1. Hochschulzugangsprüfung
  2. Probestudium mit anschließender Eignungsfeststellung

Wer eine fachbezogene Studienberechtigung erwerben möchte, muss sich für eine dieser beiden Möglichkeiten entscheiden. 

Kann man finanzielle Unterstützung beim Studium erhalten?


Die Studierenden können Leistungen nach dem Bundesausbildungsförde-rungsgesetz (BAföG) erhalten, soweit die Voraussetzungen dazu vorliegen. Die Altersgrenze ist dabei nach § 10 BAföG ggf. nicht maßgebend.

Wo kann man die rechtlichen Bestimmungen genau nachlesen?

Rechtsgrundlage für den Erwerb einer fachbezogenen Studienberechtigung für beruflich qualifizierte Personen ist § 61 des Universitätsgesetzes vom 23. Mai 1995.

Die Umsetzung im Einzelnen ist in der Landesverordnung über die fachbezogene Berechtigung beruflich qualifizierter Personen zum Universitätsstudium“ vom 28. Juni 1996 geregelt.

Für welche Studiengänge kann man eine Prüfung ablegen?

Eine Hochschulzugangsprüfung ist für alle Studiengänge (auch für die mit Numerus clausus) möglich außer für diejenigen, in die derzeit grundsätzlich keine Berufstätigen ohne Abitur aufgenommen werden. 

Worin besteht die Prüfung?

Die Hochschulzugangsprüfung besteht aus einem

schriftlichen Teil - zwei Arbeiten unter Aufsicht, für die jeweils vier Zeitstunden zur Verfügung stehen

  • Erste schriftliche Arbeit
    Es werden drei Themen angeboten, aus denen die Be-werberin/der Bewerber eines auswählen und bearbeiten muss. Die Themen sind aus den Fachgebieten des ange-strebten Studiengangs ausgewählt.
    (Diese Arbeit entfällt bei Personen, die die Meisterprüfung oder eine vergleich-bare Prüfung abgelegt haben.)

  • Zweite schriftliche Arbeit
    Bewerberinnen und Bewerber, die ein Studium im Bereich Mathematik / Informatik / Naturwissenschaften / Technik anstreben, müssen ein Thema aus dem mathematischen Bereich bearbeiten.

    Bewerberinnen und Bewerber, die ein geisteswissenschaftliches Studium anstreben, müssen ein Thema aus dem fremdsprachlichen Bereich bearbeiten. Sie können vor der Prüfung angeben, ob sie Englisch oder Französisch wählen.

mündlicher Teil - besteht aus einer Prüfung, die 60 Min. dauert.

  • Mündliche Prüfung:
    Inhalt der mündlichen Prüfung sind Themen aus dem angestrebten Studiengang.

Unter welchen Bedingungen hat man bestanden?

Die Hochschulzugangsprüfung ist bestanden, wenn die beiden schriftlichen Arbeiten und die mündliche Prüfung jeweils mindestens mit der Note „ausreichend“ bewertet worden sind.

Wer nicht bestanden hat, kann die Prüfung frühestens nach sechs Monaten wiederholen. Eine Wiederholung ist nur einmal möglich. Für die Zulassung zu zulassungsbeschränkten Studiengängen ist die Gesamtnote der Prüfung maßgebend, die als Mittelwert aus den drei Einzelnoten berechnet wird.

Wann und Wo beantragt man die Zulassung zur Prüfung?

Die Hochschulzugangsprüfung wird

  • zweimal jährlich,
  • vor Beginn des Sommersemesters und
  • vor Beginn des Wintersemesters, durchgeführt.

Studienbeginn im

  • Wintersemester Antrag bis spätestens 1. April,
  • Sommersemester Antrag bis spätestens 1. Oktober

Alle Anträge auf Zulassung zur Hochschulzugangsprüfung müssen an die

Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion
Referat 32

Willy-Brandt-Platz 3
54290 Trier

geschickt werden.

Welche Unterlagen muss man einreichen?

  • Lebenslauf mit Angaben über den bisherigen Ausbildungsweg, den beruflichen Werdegang und die ausgeübte Berufstätigkeit,

  • beglaubigte Kopien der Abschlusszeugnisse der besuchten allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen,

  • beglaubigte Kopien der Zeugnisse über die Berufsausbildung und gegebenenfalls über berufliche Weiterbildungen,

  • Nachweis der Berufstätigkeit (Original oder beglaubigte Kopie),

  • eine formlose Erklärung über alle bisherigen Versuche, eine fachbezogene Studienberechtigung zu erwerben,

  • falls man einen geisteswissenschaftlichen Studiengang anstrebt, eine Angabe darüber, ob man im Fall einer Zulassung die zweite schriftliche Prüfung in Englisch oder in Französisch ablegen möchte.

Probestudium mit anschließender Eignungsfeststellung

Ein Probestudium ist nicht möglich

  • in den Studiengängen, in denen derzeit grundsätzlich keine Berufstätigen ohne Abitur aufgenommen werden

In allen anderen Studiengängen ist ein Probestudium möglich.

Wie lange dauert das Probestudium?

  • mindestens zwei und
  • darf nicht mehr als vier Semester dauern.
    (In Studiengängen mit einer Regelstudienzeit von weniger als 4 Jahren darf das Probestudium höchstens drei Semester dauern.)

Worin besteht die Eignungsfeststellung?

  • muss von der Bewerberin bzw. dem Bewerber beantragt werden
  • frühestens nach 2 Semestern Probestudium möglich

Die Eignungsfeststellung kann auf verschiedene Weisen erfolgen:

  • entweder indem mindestens zwei Drittel derjenigen Studien- und Prüfungsleistungen vorgelegt werden, die für die Vor- oder Zwischenprüfung oder
  • für das Grundstudium in dem entsprechenden Studienfach vorgeschrieben sind,
  • oder indem die Vor- oder Zwischenprüfung abgelegt und bestanden wird.

Bevor man sich für ein Probestudium entscheidet, sollte man sich auf jeden Fall über folgendes informieren:

  • Welche Studienorte in Rheinland-Pfalz und welche Studiengänge kommen für mich in Frage, wie sind die Studienbedingungen?
    (Ansprechpartner: Universität, an der man studieren möchte)
  • Wie ist das Verfahren des Probestudiums geregelt?
    (Ansprechpartner: Ministerium)
  • Welches sind die Bedingungen und Anforderungen in dem angestrebten Studiengang?
  • Werden für den angestrebten Studiengang mathematische Kenntnisse vorausgesetzt werden und wenn ja welche?
    (Dies trifft auf die naturwissenschaftlich-technischen Fächer zu, aber auch auf andere Fachrichtungen, wie z. B. wirtschaftwissenschaftliche.)
  • Werden für den angestrebten Studiengang fremdsprachliche Kenntnisse vorausgesetzt oder sind sie sogar zwingend vorgeschrieben?
    (In manchen geisteswissenschaftlichen Fächern werden Lateinkenntnisse oder sogar das Latinum verlangt; in den meisten Fächern werden Englisch-Kenntnisse be-nötigt.)

An wen muss man sich wenden, wenn man ein Probestudium plant?
Der Antrag Auf Zulassung zum Probestudium muss direkt an diejenige Universität gerichtet werden, an der man das Probestudium aufnehmen möchte.

Wann beantragt man die Zulassung zum Probestudium?

  • Wintersemester, Antrag auf Zulassung bis spätestens 15. Juli an die Universität
  • Sommersemester, Antrag auf Zulassung bis spätestens 15. Januar.

Welche Unterlagen muss man einreichen?

Dem Antrag auf Zulassung zum Probestudium müssen folgende Unterlagen beigefügt werden:

  • schriftliche Bestätigung über ein Beratungsgespräch an der Universität,
  • Lebenslauf mit Angaben über den bisherigen Ausbildungsweg, den beruflichen Werdegang und die ausgeübte Berufstätigkeit,
  • beglaubigte Kopien der Abschlusszeugnisse der besuchten allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen,
  • beglaubigte Kopien der Zeugnisse über die Berufsausbildung und gegebenenfalls über berufliche Weiterbildungen,
  • Nachweis der Berufstätigkeit (Original oder beglaubigte Kopie),
  • eine formlose Erklärung über alle bisherigen Versuche, eine fachbezogene Studienberechtigung zu erwerben.

Kontakt

Dominik Gerke
Tel: +49(261) 4932-39432