Rheinland-pfälzischer Landeswettbewerb 2018 zum Bundesentscheid 2019 Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ – Ergebnisse im Gebietsentscheid 2018 für die Region Koblenz

Trier/Koblenz - Der Gebietsentscheid in der Region Konferenz im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2018 ist abgeschlossen. Das Ergebnis, welches von den jeweils zwei 5-köpfigen Fachjurys des Gebietes Koblenz festgestellt wurde heute von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion bekanntgegeben.

Einen herausragenden 1. Platz konnte die Ortsgemeinden Linkenbach (LK Neuwied, VG Puderbach) in der Hauptklasse erzielen. 2. Sieger wurde Antweiler (LK Ahrweiler, VG Adenau). 3. Sieger wurde Traisen (LK Bad Kreuznach, VG Rüdesheim), 4. Sieger wurde Dattenberg (Landkreis Neuwied, VG Linz) und 5. Sieger wurde Hof (LK Westerwald, VG Bad Marienberg).

In der Hauptklasse sind die Ortsgemeinden und die Gemeindeteile zusammengefasst, die sich zum ersten Male am Wettbewerb beteiligen oder in früheren Wettbewerben noch nicht im Gebietsentscheid waren.

Der Ortsteil Oberraden (Landkreis Neuwied) wurde erst platziert in der Sonderklasse, in der die Gemeinden zusammengefasst sind, die in früheren Jahren bereits im Gebietsentscheid waren. Auf den weiteren Plätzen folgen die Ortsgemeinden Dernau (2. Sieger), Meddersheim (3. Sieger), Bruttig-Fankel (4. Sieger) und Obernhof (5.Sieger).

Die vorgenannten 10 Siegergemeinden aus der Region Koblenz nehmen am Landesentscheid teil, der im August startet. 

Hauptklasse: 

1. Platz: Ortsgemeinde Linkenbach

Die Gemeinde Linkenbach  ist eine von 16 Ortschaften der Verbandsgemeinde Puderbach im Kreis Neuwied und liegt im Märkerwald im nordöstlichen Teil des Naturparks Rhein-Westerwald. Sie zählt derzeit 467 Einwohner. 

Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen

Die Gemeinde Linkenbach überzeugte im Wettbewerb „ Unser Dorf hat Zukunft“ in der Kategorie „Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen“ mit dem großen Engagement mit welchem sie den Wandel vom, durch Landwirtschaft geprägten, Dorf zum Naherholungsgebiet und gleichzeitig auch Industriestandort betreibt.

Von ehemals 10 bis 15 landwirtschaftlichen Betrieben bestehen derzeit noch zwei, welche teils ökologische Landwirtschaft und Ammenkuhhaltung bzw. nur Ammenkuhhaltung betreiben. Des Weiteren befinden sich ein Hof mit artgerechter Pferdehaltung sowie eine Pferdehändlerin im Ort. Diese Tatsache weist auf eine Ausrichtung des Ortes  als Refugium für Pferdeliebhaber hin und könnte auch für Touristische Zwecke genutzt werden. Auch die Lage Linkenbachs im Naturpark Rhein Westerwald unterstützt das Ansinnen, den sanften Tourismus weiter auszubauen.

Die gute infrastrukturelle Ausstattung im Bereich der modernen Breitbandversorgung, die Einrichtung eines Hotspots, die Entwicklung eines Industriegebietes zusammen mit der Nachbargemeinde Dürrholz sowie die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED Leuchtmittel zeigen das Engagement der Gemeinde für eine zukunftsorientierte Entwicklung des Dorfes. 

Für die kommenden Jahre sollte das Augenmerk auf die Themengebiete Demographie, alt werden und im Ort bleiben, Verbundenheit der Jugend mit dem Ort, hier engagiert sich die Jugend derzeit schon mit der Ausrichtung eines Benefizfestivals, so-wie der weitere Ausbau der touristischen Möglichkeiten (z.B. Urlaub mit Pferden, Anlaufstellen für Wanderreiter oder die Einbeziehung der überregionalen Wander- und Radwege) gelegt werden.

Bürgerschaftliches Engagement, soziale und kulturelle Aktivitäten

Fragen Sie die Kinder, die werden Ihnen sagen was sie wünschen, was ihnen gefällt und was nicht. Diese Vorgehensweise wird in Linkenbach auch praktiziert. 

Jeder neugeborene Linkenbacher Erdenbürger bekommt zur Begrüßung eine Säuglingskleidung, die größeren Kinder erhalten eine Freikarte für den Neuwieder Zoo und das Urbacher Schwimmbad und die Neubürgerinnen und – bürger:  Brot, Salz, 1 Cent und eine Infobroschüre über die Ortsgemeinde. Dorfnachrichten werden im Lengmakurier bekanntgegeben. Aber Neuigkeiten und Wissenswertes können beim Dämmerschoppen erfahren bzw. ausgetauscht werden. Anstelle einer nicht mehr vorhandenen Gastwirtschaft wurde dieser Treff von der Ortsgemeinde geschaffen.

Linkenbach ist eine der fünf Gemeinden aus Kirchspiels Urbach. Mit diesem Zusammenschluss finden kirchliche und kulturelle Veranstaltungen gemeinsam statt.

Aber dennoch werden in Linkenbach eigene und einige nennenswerte Veranstaltungen abgehalten. Der Sport- und Geselligkeitsverein und die „Huwitzen“ sind u. a. für musikalische und sportliche Events am Sportplatz und an der Weiheranlage zuständig. 

Sport und Erholung wird in und um Linkenbach groß geschrieben. Innerorts an der Weiheranlage mit zahlreichen Spielstationen und neuzeitlichen Ruheliegen, um den Ort mit Wandermöglichkeiten ins Grenzbachtal oder auf dem Puderbacher Rad- Wanderweg. 

Linkenbach, ein aktives, offenes Dorf.

Baugestaltung und –entwicklung im privaten und öffentlichen Bereich

Das Ortsbild der Ortsgemeinde Linkenbach ist durch die Landwirtschaft geprägt.

In der Ortsmitte von Linkenbach sind einige historische Gehöfte zu finden, die für den Ort markant sind. Die Gemeinde ist bemüht, die historischen Häuser zu erhalten und im Rahmen des Dorferneuerungskonzeptes zu sanieren. Bei einigen der historischen 

Häuser wurden bereits Mittel aus der Dorferneuerung eingesetzt. Bei einigen weiteren Häuser erfolgte die Sanierung als private Maßnahme ohne Fördermittel aus dem Dorferneuerungsprogramm.

Der Ortsmittelpunkt wird durch eine großzügige parkähnliche Anlage mit einem Weiher, Grillplatz, Bouleplatz und Kinderspielplatz gebildet. Die Anlage ist barrierefrei gestaltet und dient als Treffpunkt für alle Altersgruppen. 

Die Ortsgemeinde ist bestrebt Leerstände im Ort zu vermeiden. Bisher ist die Nach-frage nach den zum Verkauf stehenden Immobilien gut, so dass zum Zeitpunkt der Begehung nur ein Leerstand zu verzeichnen war. 

Linkenbach verfügt aktuell über kein Neubaugebiet. Auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche in der Ortsrandlage, oberhalb des Mammutbaumes, ist ein Neubaugebiet mit 24 Bauplätzen geplant. Ältere Baugebiete sind weitgehend bebaut. Innerhalb des Ortes sind noch einige Baulücken zu finden. Diese Grundstücke sollen, soweit sie sich im Gemeindeeigentum befinden, schnellstmöglich vermarktet werden.

Anzumerken ist noch, dass das Gemeindehaus nicht behindertengerecht ausgebaut ist. Bewegungsbeeinträchtigte Menschen können das Gebäude zwar schwellenlos erreichen, jedoch fehlt ein Behinderten-WC.

Zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben stehen in einem gemeinsam mit der Gemeinde Dürrholz erschlossenen Gewerbegebiet Grundstücke zur Verfügung. Einige Betriebe haben sich in dem Industriepark Dürrholz-Linkenbach bereits angesiedelt.

Grüngestaltung / Das Dorf in der Landschaft

Der westlich der Landesstraße 265 gelegene Gemarkungsteil von Linkenbach befindet sich im Naturpark“ Rhein-Westerwald“.  Waldflächen umgeben die Ortschaft. Ein Grünzug mit größeren und kleineren Gehölzstrukturen durchzieht den Ort in ost-westlicher Richtung.

Von der Landesstrasse 265 kommend, führt eine Obstbaumreihe in die Dorfmitte. Diese wird von einer Weiheranlage mit alten Baumbestand, einem Informationshäuschen, Grillmöglichkeit, Spielplatz, Boccia-Bahn, Bolzplatz und Ruheliegen gebildet. Diese Anlage stellt einen schönen Treffpunkt für die Bevölkerung dar und bietet Pflanzen und Tieren Lebensraum.  

Der Mammutbaum und die Roßkastanie heben sich als besonders prägend hervor. Der Bachlauf und das Weihergelände werden naturnah gepflegt und es wird auf die Belange von Flora und Fauna Rücksicht genommen.

Ausgleichsflächen sowie besonders geschützte Bereiche  im Linkenbach-/Grenzbachtal  werden durch Maßnahmen offen gehalten und entsprechend  ihrer Wertigkeit für Natur und Landschaft bewahrt. Dies gilt auch für die Obstbestände am Ortsrand und auf der Anhöhe.

Die Aussiedlerhöfe (Breitscheider-, Wonneberger-, Birkhof) und andere bauliche An-lagen in der Gemarkung sind gut mit Gehölzen in die Landschaft eingebunden und bilden mit anderen Landschaftsstrukturen eine gute Vernetzung.

Die Grillhütte mit Sportplatz und Freizeitgelände für Kinder und Jugendliche im nord-östlichen Gemarkungsteil ist gut am Waldrand eingegrünt und bietet ideale Möglichkeiten Natur bei Spiel und Geselligkeit zu erleben.

2. Platz: Ortsgemeinde Antweiler

Die Ortsgemeinde  Antweiler liegt in der Verbandsgemeinde Adenau im oberen Ahrtal nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen und gehört zum  Landkreis Ahrweiler. Der Ort wird von der Ahr durchflossen und geprägt vom 623 m hohen Aremberg. In Antweiler leben derzeit 580 Menschen.

Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen. 

Die Gemeinde Antweiler liegt inmitten des Oberahrtals. Durch die Lage in der Nähe des Nürburgrings (15Km) und der Autobahn A1 (16 km) Richtung Köln sind die Gewerbeflächen sehr gut erreichbar.

Größter Arbeitgeber vor Ort ist  der weltweit agierende Konzern Moog Rekofa,  die international tätige Gesellschaft Vectura und der Landhandel Proland.

Die Grundversorgung vor Ort ist durch Ärzte, Lebensmittel- und Blumengeschäft, ei-nen Hofladen, Friseur, Bäckerei und Café und Pizzeria Restaurant, sowie die Grund-schule und KiTa liegen gesichert. Auch eine Bankfiliale bzw. ein  Geldautomat sowie weiter kleine Gewerbebetriebe gibt es noch vor Ort. 

Die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf sparsame LED Leuchtmittel ist erfolgt und um weiter Synergieeffekte zu nutzen wird der Bauhof mit der Jagdgenossenschaft zusammen betrieben und der Grünabfallplatz wird durch  Antweiler und umliegende Gemeinden genutzt. Ein Fahrdienst „Bürger für Bürger“ gewährleistet, dass auch nicht mobile Bürger/innen mobil bleiben und der Ausbau des Breitbandnetzes garantiert die Zukunftsfähigkeit des Gewerbegebietes und der neu entstehenden Wohnbauflächen.

In den kommenden Jahren sollte das Augenmerk auf die Themengebiete Ausbau der touristischen Möglichkeiten (z.B. die Einbeziehung der überregionalen Wander- und Radwege sowie die Nähe zum Nürburgring) oder auch auf die Nutzung eventuell in Zukunft leerstehender Gebäude (z.B. Landschulheim, Langhaus am Dorfgemeinschaftshaus) gelegt werden. Hier könnte in den nächsten Jahren eine Ampelkarte helfen zukünftigen Leerstand früh zu erkennen.

In Bezug auf das leerstehende Langhaus am Gemeinschaftshaus könnten Bürger-workshops im Rahmen Dorfmoderation oder ein Studentischer Wettbewerb Ideengeber sein.

Bürgerschaftliches Engagement, soziale und kulturelle Aktivitäten

Ein Dorf im Oberen Ahrtal mit viel Geschichte: 

Das Herzogtum Arenberg, der Aremberg, die Mühle mit Konzerten und Ausstellungen, der Zehnthof, die Eisenhütte von Antweiler mit noch vorhandenen Produkten - den Takenplatten -, die kath. Kirche „St. Maximin“ Antweiler - mit den Orgelkonzerten -, Römerrelikte, der alte Bahnhof von Antweiler. Prominente Mitbürger und Gäste.

Durch eine sehr fachkundige Führung mit Öffnung und Besichtigung aller möglichen historischen Anlagen werden die Sehenswürdigkeiten vorgestellt.

Aber auch die Neuzeit hat in Antweiler Einzug gehalten:

Grundschule, Kita, Schullandheim und Geschäfte des Alltags, Restaurationen und Geldinstitute.

Und das heutige Innenleben/Dorfleben wird von 21 Vereinen mitgestaltet. Bei einer solch großen Anzahl von Dorfvereinen ist es schwer zu erraten, welcher Vereinstyp nicht vertreten sein könnte. Dabei ist etwas einmalig: die Freiwillige Feuerwehr hat eine Wehrleiterin, die einzige in Rheinland-Pfalz.

Die Vereine gestalten die dörflichen und kulturellen Veranstaltungen. Neue gemeindliche Anlagen werden des Öfteren nur durch Spenden aus diesen Veranstaltungen ermöglicht.

Antweiler hat viel Potential zu verwalten, zu erhalten und wird nach Neuem suchen.

Baugestaltung und –entwicklung im privaten und öffentlichen Bereich

Die Ortsgemeinde Antweiler liegt in der Nähe des Nürburgrings im Tal der Ahr.

Der Gebäudebestand in der Ortsmitte von Antweiler ist durchmischt. Hier findet man historische Fachwerkhäuser neben Häusern aus neuerer Zeit. 

Die Ortsmitte ist durch eine platzartige Aufweitung, an der sich auch das Dorfgemeinschaftshaus des Ortes befindet, gestaltet. 

Das Dorfgemeinschaftshaus ist bisher nicht barrierefrei ausgebaut. Die Ortsgemeinde plant jedoch eine Erweiterung des Dorfgemeinschaftshauses, da die vorhandene Gebäudegröße für den Bedarf des Ortes nicht ausreicht. Im Zuge dieser geplanten Erweiterung wird das Gebäude dann barrierefrei ausgebaut. 

Zur Aufwertung des Dorfkerns ist geplant, die abseits der Straße versteckt liegende Kirche durch den Abriss eines Gebäudes freizulegen. Vor der Kirche wird dann ein entsprechender Vorplatz gestaltet werden.

Die Gehwege entlang der Ahrtalstraße(L73) in Antweiler wurden barrierefrei mit abgesenkten Schwellen zur Erleichterung der Straßenquerung umgerüstet.

Die Ortsgemeinde ist bestrebt, dass keine Leerstände im Ort vorhanden sind. Bisher ist die Nachfrage nach den zum Verkauf stehenden Immobilien gut, so dass nur geringe Leerstandzeiten zu verzeichnen sind. Die Häuser werden dann vor dem erneuten Bezug entsprechend saniert und durch Umbau an die neue Nutzung angepasst. Im Ortskern wurden bereits einige der alten Häuser restauriert. Zum Teil sind hierfür auch Fördermittel aus der Dorferneuerung gewährt worden. 

Die Gemeinde Antweiler verfügt aktuell über ein Neubaugebiet, in dem noch viele Plätze unbebaut sind. Die Bestrebungen der Ortsgemeinde gehen dahin, dass Baulücken geschlossen bzw. leerstehende Häuser innerhalb der bestehenden Bebauung vorrangig bewohnt werden sollen. 

Vorhandene Gewerbebetriebe befinden sich in der Ortslage. Ein Gewerbegebiet ist für Antweiler nicht ausgewiesen.

Grüngestaltung / Das Dorf in der Landschaft

Der Ort im Oberahr-Tal vermittelt dem Betrachter ein „Grünes Dorf“ in einem Talzug. Eine lockere Bebauung (ausgenommen an der Hauptstraße entlang) mit teilweise großen Freiflächen prägen die Ortschaft.  

Obstbestände und Obstwiesen am Ortsrand sowie neue Obstbaumpflanzungen durchgrünen und umrahmen Antweiler. 

Eine Neubürger-Obstbaumreihe am Ahrtalrand hat schon eine recht ansehnliche Länge erreicht und wird entsprechend gepflegt.

Der alte  Dorfplatz mit großem Baumbestand an der Ahr dient für Feierlichkeit und soll künftig auch als Wohnmobilplatz genutzt werden. Naturnah gestaltete Gärten und 

Ranker Pflanzen  an Gebäuden tragen zu einer Bereicherung des Dorfbildes bei. Pflanzen und Tieren wird damit  Nahrung und Lebensraum geboten.

Gehölzrückschnitte  an der Ahr erfolgen in Abstimmung mit der Wasserbehörde.  

Die Bergwerkteiche am östlichen Rand der Ortschaft, eine Ausgleichsmaßnahme, werden naturnah gepflegt und die Wasserführung gewährleistet.  Neben einer großen Anzahl von Vogelarten bietet dieser Biotop auch Amphibien  gute Überlebensmöglichkeiten.

Von verschiedenen Aussichtspunkten bestehen herrliche Ausblicke auf Antweiler und die Umgebung. Diese Orte werden gepflegt und mit Sitzgelegenheiten ausgestattet.

3. Platz: Ortsgemeinde Traisen

Traisen (Landkreis Bad Kreuznach) ist ein  Weindorf in der Verbandsgemeinde Rüdesheim mit 561 Einwohnern. Zum Gemeindegebiet gehört ein Großteil der Felsformation Rotenfels.

Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen

Die Ortsgemeinde Traisen liegt ca. 4 km südwestlich des Zentrums von Bad Kreuz-nach auf einer Hochfläche oberhalb der Nahe am Naturschutzgebiet „ Rotenfels“. Seit März 2017 ist der Ort als Schwerpunktgemeinde in Rheinland Pfalz anerkannt  und entwickelt in der Dorfmoderation zukunftsweisende Ideen.

Als Wohngemeinde in einem stark durch den Weinbau geprägten Umfeld ist jedoch eine Entwicklung hin zum sanften Tourismus abzusehen. Drei Vollerwerbswinzer und drei Gastronomische Betriebe, welche auch Ferienunterkünfte anbieten sowie der Steinbruch und weitere kleine Unternehmen im Gewerbe- und Dienstleistungssektor bieten zudem 50 Arbeitsplätze vor Ort.

Durch eine im Aufbau befindliche, gute Ausstattung im Bereich der modernen Breitbandversorgung, sowie die schon durchgeführte Einrichtung eines öffentlichen, freien W-Lan Netzes, bietet der Ort gute Voraussetzungen für junge Familien, das Arbeiten im Home Office, sowie attraktive Bedingungen für Ferienunterkünfte.

Die Straßenbeleuchtung wird derzeit komplett auf Niedrigenergieleuchtmittel (LED) umgestellt. 

Die landschaftlich attraktive Höhenlage, sowie der geologisch interessanten Rotenfels machen den Ort für viele Wanderer und Radfahrer interessant. Aufgrund dessen könnten Wanderwege die den Ort und so auch die Gastronomie einschließen und eine E- Bike Ladestation interessante Projekte sein. Hier Entwicklungspotential in Bezug auf Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten gegeben.

Die Infrastruktur im Bereich der Grundversorgung und  das Themengebiete Demographie, hier im Besonderen „alt werden und im Ort bleiben“ bedarf einer intensiven Betrachtung. Hier kann die Dorfmoderation in Verbindung mit der Anerkennung als Schwerpunktgemeinde ein hilfreiches Instrument sein um weiter Ideen zu entwickeln.

Bürgerschaftliches Engagement, soziale und kulturelle Aktivitäten

Die 561 Einwohner der Gemeinde Traisen haben die Möglichkeiten sich vielseitigen Vereinen anzuschließen. Die Satzungen/Programme der Vereine berücksichtigen alle Altersstrukturen. 

Für die Kinder ist im Ort ein zentraler Spielplatz in der Gartenlage und im Außenbereich an der Grillhütte ein Bolzplatz. 

Die Kita und die Grundschule befinden sich in den Nachbargemeinden. 

Die Senioren können in dem Treff „MachMit“ in regelmäßigen Zeitabständen ihre Zusammenkünfte abhalten.

Die Dorfvereine, hier seien die Freiwillige Feuerwehr, die Landfrauen, Freizeitclub Rotenfels  und PRO Traisen genannt, engagieren sich mit zahlreichen Dorfveranstaltungen für ein ganzjähriges kulturelles und soziales Angebot für alle Bewohner des Dorfes. Konzerte, Filmabende, Vorträge zur Gesundheitsfürsorge und Fitnesstraining stehen im Angebot.

Durch die Anerkennung als Schwerpunktgemeinde mit der damit einhergehenden Dorfmoderation zeigen sich durch und mit der Beteiligung der Bürgerschaft zusätzliche neue Ideen und Impulse. 

Traisen ist ein zeitnahes und werbendes Dorf.

Baugestaltung und –entwicklung im privaten und öffentlichen Bereich

Die Weinbaugemeinde Traisen liegt unweit der Nahe auf einer Hochfläche. Die Stadt Bad Kreuznach ist ca. 4,0 km entfernt.  

Insgesamt ist die Bausubstanz im Ortskern als gut zu bezeichnen. Die vorhandenen Altbauten sind bis auf einige Ausnahmen bereits saniert und prägen zusammen mit den Gebäuden aus neuerer Zeit das Ortsbild. In Traisen gibt es eine Dorfmoderation unter Einbeziehung des Planungsbüros Wolf aus Kaiserslautern.

Das Rathaus und Bürgerhaus in der „Alten Schule“ und die evangelische Kirche sind ortsbildprägende Gebäude im Ortskern von Traisen. 

Das sanierungsbedürftige Bürgerhaus soll mit Hilfe einer Landesförderung umgebaut und erweitert werden. In der Planung dieser Baumaßnahme werden auch die Anforderungen an einen barrierefreien Ausbau des Gebäudes berücksichtigt.

An der Hauptstraße liegt in zentraler Lage der Brunnenplatz. An diesem Platz befindet sich ein Dorfbrunnen, ansonsten wird der Platz hauptsächlich als Parkplatz genutzt. Die Ortsgemeinde will in einem weiteren Schritt an dieser Stelle durch die Neugestaltung des Brunnenplatzes eine attraktive Ortsmitte als Dorfmittelpunkt und Kommunikationstreffpunkt mit Hilfe der Dorfmoderation gestalten.. 

Rund um den Ortskern von Traisen liegen einige Neubaugebiete. Die älteren Neubaugebiete sind ausnahmslos bebaut und nur in dem zuletzt erschlossenen Baugebiet sind noch wenige Baulücken vorhanden. Im Rahmen der angelaufenen Dorfmoderation soll die Innenentwicklung der Ortsgemeinde vorangetrieben werden, um die Baulücken im Ort zu schließen und um Leerstände zu verhindern. 

Bei privaten Häusern sind vereinzelt PV-Anlagen auf den Dächern montiert.

Grüngestaltung / Das Dorf in der Landschaft

Traisen wird durch die landschaftlich besondere Lage im Naturpark „Soonwald“ und im Landschaftsschutzgebiet „Nahetal“ gekennzeichnet. 

Der Ort liegt auf einer Hochfläche über der Nahe und ist in eine Geländemulde hinein gebaut worden. Der Ortsrand mit Obstbäumen und Gehölzbeständen bindet die Ortschaft gut in die Landschaft ein.

Besonders auffällig tritt der “Rotenfels“, ein Naturschutzgebiet nordöstlich des Dorfes in Erscheinung.  

Personen aus Traisen kümmern sich um die Instandhaltung von Wegen, Pfaden  und  Plätzen.  Wertvolle Standorte für wärmeliebende seltene Pflanzen- und Tierarten werden offen gehalten.

Vom Ort bestehen weitreichende Aussichten auf die Felswand und ins Nahetal.

Bauliche Anlagen treten nicht störend im  Landschaftsbild auf.

Der Waldorf-Kindergarten und  der Sportplatz (derzeit nicht genutzt) liegen im Wald und laden zum Lernen und Spielen in der Natur ein.

In der Weinbergslage soll durch  Blühstreifen die Biodiversität erhöht werden.

Die zusammenhängende Gartenlage am südlichen Ortsrand sowie größere Baumbestände aus Walnuss, Platane und Linde lockern die Bebauung auf und schaffen Lebensräume  für Pflanzen und Tiere.  

Artenschutzmaßnahmen für Mehlschwalben  an Gebäuden sichern deren Bestand.

4. Platz: Ortsgemeinde Dattenberg

Die Weinbaugemeinde Dattenberg (Landkreis Neuwied) liegt in der Verbandsgemeinde Linz und beheimatet 1494 Einwohner. 

Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen

Die Ortsgemeinde Dattenberg erstreckt sich vom Rhein über die Vorberge des Westerwalds bis hin zum Wiedtal. Am nördlichen Ortsrand befindet sich ein ausgedehntes und erweiterungsfähiges Gewerbegebiet, auf dem sich mehrere Unternehmen angesiedelt und Arbeitsplätze geschaffen haben.

Dattenberg ist Teil der Leader und Aktiv Region sowie Mitglied im Städtenetzwerk „Starke Kommunen starkes Land“. Dies zeugt von einem stark zukunftsorientierten Engagement der Bürgerinnen und Bürger für ihren Ort.

Bürgerworkshops und die Dorfmoderation könnten ergeben, dass das Hauptaugen-merk in Zukunft auf den Ausbau des sanften Tourismus, der am Rheinsteig gelegenen Gemeinde gelegt werden sollte. Die Ansiedlung eines Weinbauers und die Eröffnung einer Vinothek könnten diesen unterstützen. Durch den soweit als - aufgrund der Topographie - möglichen, barrierefreien Ausbau der Straßen, Wege und Plätze in der Innerortslage könnte die Gemeinde den Anreiz schaffen, auch leerstehende Gebäude im Ort zu erwerben und zu bewohnen und so die dörfliche Struktur zu erhalten. Hier könnte in den nächsten Jahren eine Ampelkarte helfen, zukünftigen Leerstand früh zu erkennen. Zur Stärkung der Innenentwicklung sollten ein Augenmerk auf die Vermarktung der Gebäude im Ortskern gelegt werden, sodass die innerörtliche, dörfliche Struktur erhalten bleibt. 

Weiter sollte die positiv abgeschlossene Machbarkeitsstudie in Bezug auf die Eröffnung eines Dorfladens Grundlage für die Interessentensuche sein.

Bürgerschaftliches Engagement, soziale und kulturelle Aktivitäten

Mindestens 20 Vereine und Institutionen schließen sich zu einem „Vereinszirkel“ zusammen, der mehrmals jährlich in seinen Zusammenkünften Termine, Themen, Organisation und Unterstützungen plant und festlegt. Durch diesen gemeinschaftlich abgestimmten Vereinskalender wird es möglich, die Vielzahl der kulturellen und dörflichen Veranstaltungen umzusetzen. 

Als Dorf am Rhein mit Weinbautradition ist das Erntedank- und Winzerfest mit Winzerfestumzug ein fester Bestandteil der vielen Traditionsveranstaltungen. Auch der im nahegelegenen Rheinland festgeschriebene Karneval kommt in Dattenberg nicht zu kurz: Kinderkarneval, Möhnensitzung, Umzüge und die Prunksitzung sind feste Bestandteile der Session.

Die älteren Bürger treffen sich in der „Rentnergilde“ oder dem „Seniorenteam“, wo sie für die Gemeinde gemeinnützige Arbeiten und Unterstützungen erledigen bzw. anbieten. Treffen sie sich nicht dort, so besteht für sie die Möglichkeit in Sportvereinen in der „Seniorenklasse“ noch aktiv zu sein. Für Kaffeenachmittage und Workshops mit gesundheitlichen Themen laden die Frauen die Dorfgemeinschaft ein. Ein monatlicher Seniorennachmittag und das „Gemeindecafe Dattenberg“ stehen den Senioren zur Verfügung und werden ununterbrochen gut und gerne besucht.

Theater für die ganze Familie, gespielt von dem Theater „Fantasie“, ist seit 25 Jahren Tradition.

Die Geschichte hat einen beachtlichen Stellenwert im Dorfleben von Dattenberg. Der Schiffsanleger am Rhein zur Basaltverladung, die ehemalige Basaltgewinnung mit der Ableitung über den Bremsberg zum Rhein wird anhand von Bauwerken, Werksutensilien und Schautafeln sehr anschaulich dokumentiert.

Trotz der über 1500 Einwohner und der geographischen Lage hat Dattenberg keine Gastwirtschaft mehr. Die Gemeinde hat einen Bürgertreff eingerichtet, der jeden Freitagabend von Bürgerinnen und Bürgern ab 16 Jahre besucht werden kann. 

Dattenberg, eine Dorf mit großem kulturellem und sozialem Angebot.

Baugestaltung und –entwicklung im privaten und öffentlichen Bereich

Dattenberg ist eine an den Rheinhängen liegende Ortsgemeinde unweit der Stadt Linz.

Die Ortsgemeinde Dattenberg wird durch die Burg, die Kirche und durch zahlreiche historische Gebäude geprägt. Die vorgefundene Bausubstanz im Ortskern ist durch-weg als gut zu bezeichnen. Die vorhandenen Häuser sind zum Teil aufwändig umgebaut und saniert. Bei einigen dieser Häuser wurden Fördermittel im Rahmen der Dorferneuerung bewilligt. Neben den historischen Gebäuden finden sich im  Kernbereich 

auch neuere Häuser, so dass hier eine Mischung aus älterer und neuerer Bausubstanz vorzufinden ist. 

Es gibt in der Ortslage keine Leerstände bei Häusern und Wohnungen. Innerhalb des Ortskerns sind keine nennenswerten Baulücken vorhanden. 

Der Marktplatz dient als zentraler Platz für Feierlichkeiten und bildet mit seinem Baumbestand und den dort befindlichen Sitzmöglichkeiten auch die Dorfmitte von Dattenberg. 

Unweit des Marktplatzes befindet sich ein Backes an einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus, der durch den Backesverein betrieben wird. Der Verein beabsichtigt in Eigenregie in dem denkmalgeschützten Gebäude ein Backesmuseum einzurichten.

Das Dorfgemeinschaftshaus der Ortsgemeinde wurde auf dem Dorfrundgang von der Kommission nicht besichtigt, ist aber nach Aussage der Ortsgemeinde barrierefrei ausgebaut.

Am nordöstlichen Ortsrand der Gemeinde Dattenberg wird ein neues Gewerbegebiet entstehen. Hierfür wurde ein Bebauungsplan, der ein Gewerbe- und ein Mischgebiet mit einer Größe von rd. 20.000 m² ausweist, aufgestellt 

Vereinzelt sind PV-Anlagen auf privaten Dächern zu finden.

Grüngestaltung / Das Dorf in der Landschaft

Der Ort Dattenberg liegt im Oberhang des Rheintales und gehört zum Naturpark „Rhein-Westerwald“. Es bestehen herrliche Sichtbeziehungen in das gegenüberliegende Ahrtal und das Rheintal. Kleine bewaldete Bachtäler erstrecken sich fingerartig von den Haupttalzügen  in die landwirtschaftliche Hochfläche.  Diese Täler sowie die Wald- und Gehölzflächen im Südosten, Westen und Norden der  Gemarkung bilden die ökologisch interessanten Bereiche. Eine baumbestandene Straße führt aus östlicher Richtung nach Dattenberg hinein.

Besonders auffällig im Ort sind die kleinen und größeren Brach- oder kaum genutzten Flächen zwischen den Gebäuden. Entsprechender Baumbestand auf diesen Grundstücken  lockert die Bebauung auf und trägt zur Durchgrünung bei.  

Typische Walnußbäume und Platanen in Höfen und auf kleinen Plätzen erhöhen die Lebensqualität für Menschen und Tiere. 

Die Bepflanzung in Ecken und auf  kleinen Restflächen bereichert das Angebot für Insekten und sorgt für Farbtupfer an den Häusern und den Straßen.

In den Hofbereichen schaffen Ranker und Weinreben eine angenehme Atmosphäre.

Der aufgegebene Basaltsteinbruch im Nordosten bietet Lebensraum insbesondere für Amphibien. Eine Nutzung ist bislang nicht vorgesehen und sollte für Naturschutzzwecke vorbehalten werden.

5. Platz: Ortsgemeinde Hof

Die Westerwaldgemeinde Hof liegt an der Schwarzen Nister  ca. 6 km entfernt von Bad Marienberg, dem Sitz der Verbandsgemeinde. Im Ort leben 1253 Einwohner.

Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen

Die ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Gemeinde Hof ist inzwischen eine infrastrukturell sehr gut ausgestattete Wohngemeinde. 

Sie bietet Einkaufsmöglichkeiten, welche auch für ein großes Umland attraktiv sind und ist zudem ein wichtiger Gewerbestandort mit derzeit über 100 Betrieben und mehr als 600 Arbeitsplätzen. Diese befinden sich in einem großen Gewerbegebiet, welches in Kooperation mit der Nachbargemeinde Oberroßbach angelegt wurde, mit zahlreichen qualifizierten mittelständischen Betrieben direkt an der B 414. 

Im Ort selbst gibt es ein großes Versorgungsangebote mit Ärzte, einer Apotheke, Bankfilialen, ein Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und eine Gaststätte, sowie mehrere Fachgeschäfte.

Durch eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur sowie eine gute ÖPNV Anbindung an  die umliegenden Zentren, günstigen Grundstückspreisen und den Kindergarten vor Ort mit einem Ganztagsangebot, bietet der Ort gute Voraussetzungen für junge Familien, aber auch für Gewerbetreibende.

Das Augenmerk der kommenden Jahre sollte auf den Ausbau des Breitbandnetzes, welches sowohl für Gewerbetreibende als auch Privatpersonen zunehmend ein wichtiger Standortfaktor ist, und auf die Themengebiete Demographie, alt werden und im Ort bleiben, Verbundenheit der Jugend mit dem Ort, gelegt werden. Hier gilt es die sehr gute Grundversorgung im Ort zu erhalten und eventuell zu ergänzen.

Bürgerschaftliches Engagement, soziale und kulturelle Aktivitäten

Hof, ein Dorf auf der geographischen Höhe des Westerwaldes, 500-550 m ü. NN.

Wegen seiner Höhenlage und den hohen Jahresniederschlägen war die Gemarkung durch Grünland/Heuwirtschaft geprägt. Die Lage des Ortes in einer Mulde hatte stets eine gewisse Vorteilsstellung zu den Nachbargemeinden. In früheren Jahren bekannt 

durch eine Sandrennbahn und den Tierpark. Hier gab es auch einen Bären. Aus diesem Grund wurden die Hofer eine Zeit lang auch „Hofer Bären“ genannt. 

Die Vergangenheit hat die Ortsgemeinde Hof mit vielen Facetten kulturell und sozial erhalten und sie stellt sich auch sehr gut dar. So wird in einem Textilhaus der Brautanzug von anno 1900 ausgestellt und dessen „Zusammenstellung“ erklärt. Der Geschäftsinhaber beschreibt in einer sehr verständlichen Weise die Lebzeiten von Groß-Großeltern bis heute. 

Der Bauhof der Gemeinde ist der „Seniorenbauhof“. Hier haben sich die Senioren zusammengeschlossen um für ihr Dorf kostengünstige Dienstleistungen zu erbringen. Erhaltung des Dorfes, innen und außen ist der Leitgedanke vieler Hofer Bürgerinnen und Bürger.

Aber neben den Seniorengemeinschaften gibt es in Hof über 15 Vereine, die das Dorfleben mitgestalten. Die Ortsgemeinde stellt ausreichend Räumlichkeiten (Mehrzweckhalle) bereit, damit alle „Altersklassen“ ihren Freizeitbeschäftigungen und Zusammenkünften nachgehen können. Die Kinder haben einen Kindergarten im Ort.

Neuzeitlich ist auch ein Mehrgenerationenspielplatz angelegt worden, der lagemäßig ideal zwischen Neubaugebiet und Dorfkern installiert wurde.

Hof ist einen gezielten Weg mit der Zeit gegangen und geht diesen auch weiter.

Baugestaltung und –entwicklung im privaten und öffentlichen Bereich

Die Ortsgemeinde Hof liegt an der B414, die in die B255 übergeht und über diese Bundesstraße eine direkte Verbindung zur Autobahn A 45 erhält.

Im Ortskern von Hof sind einige historische Gebäude/Fachwerkhäuser zu finden, die bereits renoviert bzw. saniert wurden. Darüber hinaus sind im übrigen Ort einige ältere Häuser umgebaut, erweitert und modernisiert worden.

Die Ortsgemeinde ist bestrebt, keine Leerstände im Ort entstehen zu lassen. Bisher ist die Nachfrage nach den zum Verkauf stehenden Immobilien gut, so dass nur geringe Leerstandzeiten zu verzeichnen sind. 

In der Ortsmitte befindet sich das Gemeindehaus mit dem Büro des Bürgermeisters. Dieses Gebäude ist nicht barrierefrei zu erreichen. Gegenüber des Gemeindehauses findet man die Kirche des Dorfes. Auch hier ist noch kein barrierefreier Zugang möglich.

Innerhalb der Ortslage gibt es wenige Baulücken. Die Bauplätze in den vorhandenen Neubaugebieten sind bereits weitgehend bebaut. Die nichtbebauten Grundstücke befinden sich in Privatbesitz und es ist sehr problematisch, im Einklang mit den Grundstückseigentümern, diese Grundstücke einer Vermarktung zu zuführen, deshalb werden die Grundstücke wahrscheinlich in absehbarer Zeit nicht bebaut werden können.

Die Sporthalle der Grundschule Hof ist gleichzeitig auch als Mehrzweckhalle für die Dorfgemeinschaft nutzbar. Dieses Gebäude dient den Dorfbewohnern als Raum für Feierlichkeiten und kulturelle Veranstaltungen. Das Gebäude ist durch einen Nebeneingang barrierefrei über eine Rampenanlage erschlossen. Ein Behinderten-WC ist ebenfalls vorhanden.

Am südlichen Ortsrand ist ein Gewerbegebiet ausgewiesen, in dem sich eine Reihe von Betrieben angesiedelt hat.

Die Installation von PV-Anlagen auf privaten Hausdächern ist vereinzelt zu sehen.

Grüngestaltung / Das Dorf in der Landschaft

Der Ort Hof an der Bundesstraße 414 liegt im Tal der „Schwarzen Nister“ und wird recht gut mit Gehölzen durchgrünt.

Am nordöstlichen Ortsrand befindet sich ein zentraler Funktionsbereich mit Mehrzweckhalle, Grundschule, Sportplatz, Sandbahn, Hundeplatz, und Feuerwehr. Baum- und Gehölzstrukturen binden diese Anlagen gut ein. Die Freiflächen und Pflanzbeete mit entsprechenden Blütenpflanzen zwischen diesen Gebäuden werden naturnah gepflegt. 

Die Brücke über den Bachlauf im Ort stellt eine schöne, anziehende Situation dar. Naturnahe Aspekte konnten am Gewässer umgesetzt werden. Dies soll beispielsweise durch die Entfernung des Wehres noch weiter verfolgt werden.

Eine Heckenpflanzung umrahmt den Friedhof, der am westlichen Ortsrand von einem sich anschließendem Gehölz gut in die Landschaft eingebunden wird. 

Der neue  Mehr-Generationen-Platz  am nördlichen Rand wird noch durch die Entwicklung der Gehölze und Stauden an Attraktivität gewinnen.

Grünland unterschiedlicher Ausprägung, teilweise extensiv genutzt, gibt der Umgebung von Hof  ihren Charakter. Der nordöstliche Gemarkungsteil ist als Fauna-Flora- Habitat- Gebiet ausgewiesen.

Sonderklasse:

1. Platz: Ortsteil Oberraden 

Die Gemeinde Oberraden liegt im Landkreis Neuwied und gehört der Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach an. Zur Gemeinde gehört auch der Ortsteil Niederraden. Oberraden bewohnen ca. 420 Einwohner. 

Ortsfremde können sich über eine freundlich gestaltete, aktuelle Homepage auf ihren Besuch in der Gemeinde einstimmen und einen ersten Überblick gewinnen.  

Oberraden ist sehr verkehrsgünstig in der Nähe der Autobahn A3 (Köln-Frankfurt) gelegen. Das Grundzentrum Rengsdorf ist von hier aus in etwa fünf, das Mittelzentrum Neuwied, in 15 Minuten mit dem Auto zu erreichen. Aufgrund ihrer Lage ist die Gemeinde ein attraktiver, ländlich geprägter Wohnstandort. 

Seit gut zehn Jahren betreibt die Ortsgemeinde aktiv einen Dorferneuerungsprozess. Es ist gelungen die Dorferneuerung  als Initialzündung zu nutzen, um viele Akteure in die Ortsentwicklung einzubinden. Mit der Beteiligung aller Generationen wird der Dorferneuerungsprozess auf eine breite Basis gestellt. Insbesondere Jugendliche sollen mittel- und langfristig an die Gemeinde gebunden und zum Bleiben animiert werden. Der Dorferneuerungsprozess wird in Oberraden als eine stetige Weiterentwicklung in der Gemeinde begriffen. 

Die Bürger in diesem vergleichsweise kleinen Ort haben in den vergangenen Jahren  drei aus dem Prozess entwickelte „Großprojekte“ umgesetzt: 

Den Bau eines Dorfgemeinschaftshauses

Die Errichtung einer Buswendeschleife in der Ortsmitte 

Die Neuanlage eines Schulgartens

Besucht man Oberraden bleibt in baulicher Hinsicht zunächst das zwischen den Ortsteilen Ober- und Niederraden gelegene Dorfgemeinschaftshaus in Erinnerung. Das 

Gebäude liegt etwas abgerückt vom Ortsrand, ist jedoch über einen von Obstbäumen begleiteten Weg fußläufig vom Dorf aus gut zu erreichen. Das Haus ist in seinen Abmessungen von innen und außen angemessen gegliedert und wirkt wohltuend offen und heiter. Hierzu trägt auch die gelungene künstlerische Ausgestaltung am Eingangsbereich bei.

Im Ortskern selbst ist historische Bausubstanz eher selten anzutreffen. Ortsbildprägend sind dagegen die ehemaligen landwirtschaftlichen Hofstellen, die alte Schule in der Ortsmitte und ein Kulturdenkmal in der Mittelstraße. Diese Gebäude gilt es sorgfältig weiter zu entwickeln und möglichst zu einem „dörflichen Ganzen“ zusammen zu fügen. An den Gebäuden innerorts finden sich mehrere bereits umgesetzte private Erneuerungsmaßnahmen zur Aufwertung von Häusern und Gärten. Hier ist es wünschenswert, den Prozess zukünftig noch weiter zu intensivieren und die Eigentümer der Gebäude fachlich angeleitet und begleitet zu weiteren Maßnahmen anzuregen. Schön sind die ortsbildprägenden Natursteinmauern, die vielen schönen Einfriedungen, insbesondere die als dörfliches Element an vielen Stellen wieder eingeführten Staketenzäune, die dabei helfen dem Ort einen unverwechselbaren Charakter zu verleihen. Die Gemeinde wird ermutigt, dieses Thema weiter zu pflegen. Erfreulich ist auch der Bestand des gut geführten Gasthauses Waldblick. Die Existenz einer Gastwirtschaft stellt heute keine Selbstverständlichkeit mehr für eine Gemeinde dieser Größenordnung dar.   

Der Grundsatz zum sparsamen Umgang mit Grund und Boden „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ wird in Oberraden verfolgt. In der Vergangenheit wurde bewusst auf das Ausweisen von Neubaugebieten in der Ortslage verzichtet. Aktuell wird ein Bauflächenprojekt zur Innenentwicklung betrieben. Eine Freifläche von ca. 2.500 m² wurde erworben und neu parzelliert. Hier sollen vier Bauplätze mit einer Bauverpflichtung veräußert werden. Die Gemeinde wird ausdrücklich ermutigt, diesen Weg fortzusetzen.  

Als weiteres besonderes Projekt hervorzuheben ist der Ausbau einer Buswendeschleife mit Wartehäuschen in der Ortsmitte. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die örtliche Busanbindung erhalten und möglichst noch weiter ausgebaut wird. 

Sieben Vereine bereichern das Dorfleben. Ohne Vereine ist ein lebendiges Dorf nicht vorstellbar. So hat beispielsweise der Burschenverein mit einer 25 m langen Trockenmauer das größte von einem Verein  im Dorfbild sichtbare Bauwerk errichtet. Die jungen Leute betreiben zudem ein sehr gepflegtes Grillhaus am Ortsrand. 

Nicht unerwähnt bleiben soll die Feuerwehr, die neben ihren originären Tätigkeiten aktiv das Gemeindeleben unterstützt. Nicht zuletzt um Nachwuchs zu gewinnen gibt es eine Jugendfeuerwehr und den Brandschutztag im Kindergarten.

Die „Spielplatzrentner“ haben rein ehrenamtlich die Pflege des Spielplatzes in der Ortsmitte übernommen. Ehrenamt und Eigenleistung sind ein weiteres Element, das die Entwicklung eines Dorfes in Zeiten klammer Kassen überhaupt ermöglicht. 

In der Nähe zur ehemaligen Schule wurde ein schöner Schulgarten angelegt, der den Kindern das Heranziehen und Ernten von Gemüse und Früchten vermittelt. 

Als eines der nächsten Zukunftsprojekte wurde die Errichtung eines „Backes“ angekündigt. Der Betrieb eines Backes stellt erfahrungsgemäß ein belebendes Element für die Dorfgemeinschaft dar, weil sich viele Bewohnerinnen und Bewohner am Betrieb und Genuss beteiligen können.   

Aus landespflegerischer Sicht sind zunächst der liebevolle Erhalt und die Pflege der alten Obstbäume, sowie die Neuanpflanzung von mehr als 350 neuen Obstbäumen zu erwähnen. Besonders positiv ist dabei der ganzheitliche Ansatz, dass neben der Anpflanzung von Obstbäumen auch die Pflege und die Nutzung des Obstes beinhaltet. Beim Dorf gibt es eine Apfelannahmestelle für Großhändler und Privatmostereien.

Gut stehen dem Dorf auch die extensive Grünlandnutzung und die Offenhaltung von Flächen zu Gesicht. Das Gestüt Aubachtal mit seinen Islandpferden ist zudem ein örtlich ansässiger, dankbarer Abnehmer für das Heu. 

Auffällig ist auch die Nutzung vieler ländlich gestalteter Gärten. Das Pflanzen von solitären Großbäumen an geeigneten Orten wird angeregt. Vielleicht kann eine Idee sein, für jedes neugeborene Kind einen Baum zu pflanzen. Die Straßenräume erscheinen in manchen Bereichen fast zu gepflegt, sodass die Gemeinde zu mehr „Lässigkeit“ im Umgang mit innerörtlichem Grün aufgefordert werden kann.     

Insgesamt wirkt die Entwicklung der Gemeinde ideenreich, aktiv und zukunftsfähig. Der Prozess verspricht anhaltende Dynamik und vermittelt glaubhaft gute weitere Entwicklungsperspektiven. Oberraden ist mit seiner gelebten Dorferneuerung beispielhaft für andere Gemeinden.  

2. Platz: Ortsgemeinde Dernau 

Die Weinbaugemeinde Dernau an der Ahr liegt im Norden von Rheinland-Pfalz, im Landkreis Ahrweiler. Sie gehört der Verbandsgemeinde Altenahr an. In Dernau leben etwa 1.780 Menschen. 

Die Gemeinde ist hervorragend in das attraktive Rad- und Wanderwegenetz im Ahrtal eingebunden.  Nähert man sich Dernau zu Fuß, bieten sich aus der umgebenden Ahrlandschaft viele interessante Ausblicke auf das Dorf. Bester Beleg hierfür, ist der großartige, vom deutschen Weinbauinstitut zur „Schönsten Weinsicht“ gekürte Aus-blick in der Lage Schieferlay 

Dernau ist von Weinbau, Kultur und Tourismus geprägt. Besonders der Bereich des ursprünglichen Dorfkerns entspricht mit seinen historischen, ortsbildprägenden Bauten und den schönen Innenhöfen dem typischen Bild eines Weindorfes an der Ahr, das viele Touristen anlockt, aber auch für Einheimische attraktiv ist. Hier finden sich gelungene Beispiele schön hergerichteter privater Gebäude. Weitere werden folgen. Den guten Eindruck, den die Ortsmitte hinterlässt, könnte weiteres Grün in den Straßenräumen, zum Beispiel durch die Überspannung mit Weinreben zusätzlich verstärken. 

Das Dorf verfügt über einen Drei-Gruppen-Kindergarten mit Ganztagsplätzen und eine kleine Grundschule mit Nachmittagsbetreuung. Die Gemeinde ist nahe der Kreisstadt Bad Neuenahr - Ahrweiler gelegen. Zur Nutzung der örtlichen Geschäfte und Einrichtungen unter dem Stichwort „Kaufen vor Ort“ ermuntert auch ein Hinweisschild an der B 267, die die Gemeinde berührt.   

Dernau ist ein attraktiver Wohn- und Ausflugsort. Anstelle von Leerständen herrscht hier eher noch ein gewisser „Siedlungsdruck“.  Sollte die Gemeinde sich für die Aus-weisung von weiteren Bauflächen entscheiden, soll das flächenschonend, maßvoll und zurückhaltend erfolgen. Die Anzahl der Ferienwohnungen sollte auf einen angemessenen Rahmen beschränkt bleiben. 

Viele private und ehrenamtliche Initiativen wie zum Beispiel die Pflege der Dorfplätze durch die Bewohner oder die Errichtung und Unterhaltung von Ruhebänken durch den Eifelverein bereichern das Dorfleben zusätzlich. 

Dernau ist wegen seiner guten Infrastruktur, der verkehrsgünstigen Lage, der regel-mäßigen ÖPNV Anbindung im Halbstundentakt über die Ahrtalbahn und nicht zuletzt wegen des für Touristen und Einheimische attraktiven Ortsbildes ein begehrter Wohn- und Ausflugsort. Wird ein angemessenes Gleichgewicht zwischen den Belangen von Einwohnern und Touristen gewahrt, stellt der Weg den die Gemeinde eingeschlagen hat, einen der möglichen Ansätze für die zukunftsfähige Entwicklung eines Dorfes dar.  

3. Platz: Ortsgemeinde Meddersheim

Meddersheim liegt im Naheland zwischen den Höhenzügen des Nordpfälzer Berglandes und den Ausläufern des Soonwaldes, inmitten des Landkreises Bad Kreuznach. Das Dorf gehört zur Verbandsgemeinde Bad Sobernheim. In Meddersheim leben etwa 1.300 Einwohner. 

Das Leitmotiv „Weindorf im Naheland“ lässt sich gut von der weit über der Ortschaft gelegenen  „Platte“ aus erkennen. Das ist eine vom deutschen Weinbauinstitut zur „Schönsten Weinsicht“ gekürte Aussicht auf Dorf und umliegende Landschaft.  

Die Gemeinde ist von der Natur begünstigt durch das Wasser der Nahe, den Reich-tum an Wein und den Gemeindewald. Eine regionale Besonderheit ist der aktive Um-gang mit Orchideen.  

Das Dorf selbst ist geprägt vom offenen Lauf des Altenberger Baches der, begleitet von einem Fußweg und schönen Bauerngärten, mitten durch die Gemeinde fließt und ihr einen unverwechselbaren Charakter verleiht. Unweit dieser Fußwegebeziehung befindet sich das an einem kleinen Platz gelegene, ehemalige Rathaus in dem heute ein ehrenamtlich betriebenes Dorfcafé und eine kleine Bücherei untergebracht sind. 

Dieser Ort stellt einen generationenübergreifenden Fixpunkt im Gemeindeleben dar. Wenige Meter weiter findet sich die Kirche, die zum Verbund der Pilgerkirchen der EKD gehört. Hier finden sich neben Informationen zur Kirche auch Kompressor und Flickzeug zur Pannenhilfe. Im Umfeld, insbesondere im Übergang zum Friedhof, finden sich einige großkronige Bäume, die sowohl dem Ortsbild, als auch dem Kleinklima gut tun. Das Pflanzen weiterer Großbäume, das noch bessere Herausstellen des Charakters Meddersheims als Weindorf beispielsweise durch Anpflanzung von Reben in der Ortsmitte sind Anregungen für die Zukunft. 

In der älteren Bausubstanz finden sich die traditionellen, regionalen Materialien. In vielen Bereichen wurde Wert auf eine angenehm ruhige Farbgestaltung der Gebäude gelegt. Der bewusste Umgang mit Farben bereichert das Ortsbild. 

Ziel der Gemeinde ist es, für alle Generationen attraktiv zu bleiben. In diesem Zusammenhang kommt der Kindertagesstätte eine große Bedeutung zu. Schön ist, dass dort Speisen mit regionalen Produkten selbst hergestellt werden. Nicht unerwähnt bleiben darf der große, verwunschene, mitten im Dorf gelegene, naturnahe Spielplatz. 

Die Anlage innerörtlicher (barrierefreier) Rundwege im Rahmen der Dorferneuerung mit einer fantasievollen Beschilderung (in Augenhöhe der Erwachsenen ausführlich  - in Augenhöhe der Kinder kindgerecht – populär) ist eine sympathische Idee. 

Insgesamt gehört Meddersheim zu den Gemeinden, die durch eine schöne Lage im ländlichen, durch Weinbau und sanften Tourismus geprägten Raum, und dennoch verkehrsgünstig zum Mittelzentrum Bad Kreuznach gelegen, als Wohnstandort attraktiv sind. Ein Kindergarten, die nahe gelegenen Schulen in Bad Sobernheim und  wichtige Elemente der Grundversorgung innerhalb des Dorfes, wie eine Metzgerei mit Backwaren, eine Bäckereifiliale mit Lebensmitteln sowie einem Direktverkauf sind weitere Argumente, die für das Dorf sprechen. Die Gemeinde verfolgt zudem spätestens seit ihrer Anerkennung als Investitions- und Maßnahmenschwerpunkt in der Dorferneuerung, aktiv einen an Leitbildern orientierten Erneuerungsprozess. 

4. Platz: Bruttig-Fankel 

Bruttig-Fankel ist in der Nähe Cochem´s an der Mittelmosel im Landkreis-Cochem Zell am sogenannten „Cochemer Krampen“, einem großen Moselbogen, gelegen. Das Dorf gehört zur Verbandsgemeinde Cochem, ist anerkannter Fremdenverkehrsort und hat etwa 1.150 Einwohner. 

Der Dorferneuerungsprozess in Bruttig–Fankel ist überzeugend strukturiert und  organisiert. Es gibt eine eigene Projektgruppe „Unser Dorf hat Zukunft“. Dorferneuerung wird demnach als  eine ständige Aufgabe begriffen, weil sich Dörfer, vielleicht mehr noch als Städte, ständig verändern. Als wesentliches Leitbild ist zu erkennen, dass alle Generationen am Dorferneuerungsprozess beteiligt werden sollen, um sie mittel- bis langfristig an die Gemeinde zu binden.  

Die Vielzahl an Projekten, die hier in einer Gemeinde dieser Größenordnung vorangetrieben wird, ist beeindruckend.

Wichtige Bausteine für die jüngeren Bewohnerinnen und Bewohner Bruttig-Fankels sind die dreigruppige Kindertagesstätte St. Margaretha und die örtliche Grundschule. Die Petrus-Mosellanuns-Grundschule nimmt 60 Kinder aus Bruttig-Fankel und mehrerer Gemeinden der näheren Umgebung auf. Ein Förderverein organisiert eine Nachmittagsbetreuung.

Mit einer Gemeinderatssitzung in der Grundschule sowie einer Sprechstunde für Kinder und Jugendliche wird dieser Altersgruppe der Zugang zur politischen Arbeit eines Gemeinderates früh näher gebracht. Auch die Feuerwehr führt Kinder mit einer eigenen Jugendfeuerwehr frühzeitig an ihre Arbeit heran. 

Aus baulicher Sicht ist vielleicht die beeindruckende Restaurierung der ehemaligen Synagoge hervor zu heben, die durch glückliche Umstände die Progromnacht unbeschadet überstanden hat. Sie wird heute für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Ein über Bruttig-Fankel hinaus bedeutender baulicher Höhepunkt sind außerdem die  historischen  Häuser entlang und im Umfeld der Brunnenstraße. 

Baugrundstücke sind in Bruttig-Fankel nachgefragt.  Die Notwendigkeit und der Umfang zur Ausweisung weiterer, großflächiger Neubaugebiete sollte aber insbesondere mit Blick auf die daraus folgende zusätzlich erforderliche Infrastruktur sorgfältig be-dacht werden. Wichtig wird es zudem sein, gerade auch in Neubaugebieten eine regionale Identität wiederzufinden, um die Unverwechselbarkeit der Dörfer zu erhalten. 

Einen farblich – mutigen Farbklecks bildet die gelungene von einem regionalen Graffiti-Künstler gestaltete Bücher Box, die ihren Platz zwischen den Ortsteilen Bruttig und Fankel hat und hoffentlich von vielen Leseratten gefunden wird.  

Das dörfliche Leben ist durch eine Vielzahl von Vereinen geprägt. Vereine bilden Gemeinschaft und liefern so ein eigenes, wichtiges Argument sich für ein Leben im Dorf zu entscheiden.  

Interessante Ideen, die über die Gemeinde hinaus Beachtung finden könnten sind:

Das Projekt Cochem-Zeller Energiebedarf. Hier  wird über Quartierskonzepte untersucht, welche Energiepotenziale vorhanden sind und wie sie für eine energetische Modernisierung des Gebäudebestandes genutzt werden können.

Die Einführung eines Gäste-Tickets mit dem Touristen alle Züge und Busse im VRM-Gebiet kostenfrei nutzen können.  

Aus grüngestalterischer Sicht ist der Festplatz in Bruttig mit seinen großen Platanen und Kastanien ein Höhepunkt. Grundsätzlich gilt: „Mut zum ortsbildprägenden  Groß-grün“.  Schön sind die vielen, liebevoll gepflegten privaten Nutzgärten und Hofanlagen, in denen sich bei wenig verfügbarer Fläche Spalierobst findet. Eine Anregung für die Zukunft könnte sein, einen „Tag der offenen Gärten“ zu veranstalten, an dem die Garten– und Hoftore für alle Bewohnerinnen und Bewohner geöffnet werden, um die Gärten erlebbar zu machen. 

Bruttig-Fankel ist ein Dorf, das in vorbildlich strukturierter Weise den Dorferneuerungsprozess voran bringt. Dabei werden alle Generationen eingebunden. Es gibt viele vorzeigbare Projekte, weitere sind in Planung. Der Gemeinde gelingt es Potenziale sowohl für Touristen, als auch für Einheimische zu erschließen und zu nutzen.

5. Platz: Obernhof 

Die Gemeinde Obernhof liegt im Rhein-Lahn-Kreis im Naturpark Nassau innerhalb der Verbandsgemeinde Nassau. Sie zählt etwa 410 Einwohner. 

Die Leitidee in Obernhof ist es, den Wein zurück ins Dorf zu bringen. Mit dieser Entwicklung kann eine eigene Identität wiederbelebt oder erstmals geschaffen werden. Die kleine Gemeinde wird als eigene „Marke“ begriffen, die die touristische Entwicklung entlang der Lahn geschickt nutzt, diese aber auch selbst wiederum wesentlich verstärkt und voran bringt. Obernhof entwickelt mit dem Thema Wein und Tourismus an der Lahn geschickt einen eigenen Wiedererkennungswert (corporate design / corporate identitiy). Das nutzt den Bewohnern, lockt aber gleichzeitig auch weitere Touristen an die Lahn. Die Vermarktung der Gemeinde wird professionell, zum Beispiel durch einen eigenen Auftritt bei Messen betrieben. 

Es gibt eine Vielzahl von kulturellen Initiativen und Festen (Obernhofer Vollmondnächte, Mittelaltermarkt, Wanderweinproben usw.), die das Dorf als touristischen Standort stärken. Das Ehrenamt, spielt auch in Obernhof, wie andernorts in Gemeinden vergleichbarer Größe eine besonders wichtige Rolle. Die Entwicklung ohne ein starkes Ehrenamt ist dort schlicht nicht vorstellbar. Gemeinsame Arbeitseinsätze „Obernhof räumt auf“ oder die Lahnuferreinigung nutzen und stärken aber auch das Gemeinschaftsgefühl. Bürger machen sich mit einer Unterschriftenaktion für die Wiederbelebung der Dorfbäckerei als Versorgungs- und Treffpunkt stark. 

In Obernhof wird Dorfentwicklung richtig, als eine ständige, nie endende Aufgabe begriffen. Die Entwicklung von Neubauflächen sollte in der sensiblen Landschaft, wenn überhaupt, zurückhaltend bleiben und sehr sorgfältig geplant werden. In jedem Fall soll die Innenentwicklung bevorzugt betrieben werden. Das ist zwar der schwierigere Weg, reduziert oder vermeidet aber Leerstände und stärkt die Identität des Ortes. 

Das Ortsbild ist durch die unmittelbare Lage der kleinen Gemeinde an der Lahn geprägt. An den das Dorf begrenzenden Hängen wird der Weinbau wieder deutlich sichtbar, weil ehemals verbuschte Hänge gerodet und dem Wein zurück gegeben 

werden. Eine schöne Idee ist es, dort und an anderen Stellen auch die ehemals vorhandenen Weinberghäuschen wieder zu errichten, vielleicht sogar durch neue zu ergänzen. Wünschenswert wäre es, wenn weitere private Eigentümer sich, zum Beispiel im Rahmen der Dorferneuerung, dazu entschließen könnten ihre Wohnhäuser dorfgerecht zu sanieren. Der ruhende Verkehr soll im Rahmen eines Parkplatzkonzeptes neu überdacht werden. 

Im landschaftlichen Raum bieten sich dem Besucher zwei unterschiedliche Bilder. Aus dem Dorf heraus betrachtet, schaut man auf Wald und die „neuen“ Weinberge und von den begrenzenden Bergen, zum Beispiel dem Goetheblick, ist die Gemeinde mit dem benachbarten Kloster Arnstein gut in die Landschaft des Lahntales eingebettet. Die Rückkehr des Weinbaus trägt aber auch zur Steigerung der Artenvielfalt bei. Weiteres Grün, zum Beispiel durch Weinreben, die den Straßenraum überranken, sollte in weite Teile des Ortskerns gebracht werden, um den Charakter als „Weindorf“ noch stärker zu verdeutlichen. 

Insgesamt nutzt die Gemeinde geschickt die touristischen Potenziale des Lahntals und verstärkt diese durch ihre vielfältigen eigenen Initiativen. Die unterschiedlichen Themenbereiche werden gut miteinander vernetzt. Der Dorferneuerungsprozess wird mit Ideenreichtum, Geduld und Ausdauer betrieben. 

Die fünf Siegergemeinden sind dicht gefolgt von den weiteren Teilnehmern des Landeswettbewerbs im Gebietsentscheid Koblenz (alphabetische Reihenfolge):

In der Hauptklasse: 

Fürfeld

Glees

Greimersburg

Grenderich

Gutenacker

Hardt 

Mertloch

Dürrholz-Muscheid

Steinefrenz

Wierschem 

Zilshausen

In der Sonderklasse:

Hochstädten

Kottenheim

Lantershofen

Leubsdorf

Nochern

Rieden

Volkesfeld

Gerne hätte die Jury weitere Gemeinden bei deren hohen Leistungsdichte in den Landesentscheid entsandt. Dies war jedoch auf Grund der diesjährigen Anzahl der teilnehmenden Gemeinden auf 5 Gemeinden in der Hauptklasse und auf 5 Gemeinden in der Sonderklasse begrenzt.

In der Region Koblenz haben insgesamt 57 Gemeinden teilgenommen; von diesen Gemeinden haben sich 28 Gemeinden (16 HK und 12 SK) für den Gebietsentscheid qualifiziert. 

Der nächste Bundesentscheid findet 2019 statt. Die Teilnehmer am Bundesentscheid 2019 werden aus den Siegern der Haupt- und Sonderklassen der Landeswettbewerbe 2017 und 2018 ausgewählt.

Allgemeine Informationen zum Wettbewerb:

Grundlage für die rheinland-pfälzischen Landeswettbewerbe 2017/2018 „Unser Dorf hat Zukunft“ sind die Richtlinien mit Wirkung vom 1. Januar 2017.

Jede Gemeinde mit bis zu 3.000 Einwohnern hat die Möglichkeit, am Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" teilzunehmen und im Kreis-, Gebiets-, Landes- und Bundesentscheid Auszeichnungen entgegenzunehmen.

Der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ist in besonderem Maße dazu geeignet, die Menschen zu motivieren, Perspektiven für das Dorf und die Region zu entwickeln und nachhaltig zu gestalten. Von den vielfältigen Effekten gemeinsamer Anstrengungen und Erfolge können letztendlich alle Wettbewerbsteilnehmer profitieren. Schon die Entscheidung am Wettbewerb teilzunehmen, ist ein großer Gewinn für das Dorf. 

Der Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wurde auf Kreisebene in 141 Gemeinden (72 Gemeinden in der Hauptklasse / 69 Gemeinden in der Sonderklasse) in den Regionen Trier, Koblenz und Neustadt a.d.W. durchgeführt.

Die Bereisung der Ortsgemeinden, die sich für den Landesentscheid qualifiziert haben, beginnt ab Montag, den 06. August 2018 in der Hauptklasse und ab 20. August 2018 in der Sonderklasse.